Wer in diesen Tagen nach einer Lösung der iranischen Atomfrage sucht, wendet den Blick meist auf die Vereinigten Staaten, Russland, China, Frankreich und Großbritannien. Denn als Mitglieder des UN-Sicherheitsrats scheinen diese Länder über die Instrumente zu verfügen, die Teheran zum Einlenken bewegen könnten.

Wirtschaftssanktionen und als letztes Mittel Militärschläge hängen von ihrem Votum ab. Doch keine der beiden Optionen verspricht nachhaltigen Erfolg.

Eine ökonomische Blockade gegen Iran wird das Regime nicht davon abhalten, seine atomare Bewaffnung weiter voranzutreiben. Leidtragende wäre vor allem die Zivilbevölkerung. Siechtum und Tod Hunderttausender infolge eines Boykotts waren bereits im Irak zu beobachten. Nach Schätzungen der Unesco sind dem Embargo gegen Bagdad mehr als eine Million Menschen, vor allem Alte, Frauen und Kinder, zum Opfer gefallen. Eine Bilanz, die an die Verluste aller drei Golfkriege heranreicht.

Auch kann ein militärischer Schlag gegen die iranischen Atomanlagen nicht im Interesse des Westens sein. Zum einen erscheint es selbst amerikanischen und israelischen Militärs unwahrscheinlich, dass Angriffe aus der Luft wie vom Boden durchschlagende Wirkung zeigen würden. Zum anderen könnte Teheran als Gegenschlag einen breiten Terrorkrieg im Irak und in Israel entfachen.

Es bleibt allein die Diplomatie unter dem Schirm der bereits totgeglaubten Abschreckung. Der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt hat einen zentralen Leitsatz für erfolgreiche diplomatische Verhandlungen geprägt: "Speak softly, and carry a big stick." Und genau diesen bringt Berlin in Sachen Iran ins Spiel. Die Bundesregierung unterstützt Israel beim Kauf von zwei U-Booten deutscher Produktion. Tel Aviv erhält damit Waffensysteme der neuesten Generation. Mit ihrem Brennstoffzellenantrieb sind die U-Boote nicht nur in der Lage, nahezu geräuschlos und dazu noch wochenlang unter Wasser zu operieren, sie sind auch mit Marschflugkörpern als Nuklearwaffenträger ausrüstbar. Israel erhält die Fähigkeit zum atomaren Zweitschlag und damit zu wirkungsvoller Abschreckung. Ein "big stick", den Teheran selbst als Atommacht nicht ignorieren könnte.

Kritiker mahnen, Deutschland verstoße mit dem noch unter der rot-grünen Koalition beschlossenen Rüstungsdeal gegen das Verbot zur Verbreitung von Atomwaffen. Auch mehren sich Warnungen, Deutschlands Glaubwürdigkeit als Vermittler in Nahost sei gefährdet. Dabei wird übersehen, dass sich der Bundesrepublik kaum andere Möglichkeiten bieten, als Israel bei seinen Bemühungen um einen möglichst umfassenden Schutz seines Territoriums behilflich zu sein. Die Geschichte der Rüstungskonflikte, ob regionaler oder globaler Art, lehrt, dass Verhandlungen, die eine dauerhafte Lösung anstreben, allein aus der Position der Stärke zu führen sind. So wären die bedeutenden Abrüstungsschritte zwischen Russland und den USA ohne die anfangs vor allem in Deutschland scharf kritisierten Aufrüstungsbemühungen der Reagan-Administration nicht denkbar gewesen.

Gerade weil nicht nur das Teheraner Regime, sondern das iranische Volk in seiner Gesamtheit am Erhalt seiner Machtposition in Nahost interessiert ist, rüstet Iran nuklear auf. Eine Weitergabe atomarer Sprengköpfe zu Terrorzwecken, das weiß Teheran, würde unweigerlich in der Auslöschung der iranischen Nation gipfeln. Doch Selbstmord begehen auch im islamistischen Terrorismus bisher lediglich Einzelne oder kleine Gruppen. Eine Gesellschaft, und sei sie noch so fanatisch indoktriniert, hat dieses Interesse nicht, wie bereits die Geschichte Deutschlands und Japans gezeigt hat.