Car-Sharing? Ein Ding der Vergangenheit, eine Hand voll übrig gebliebener Ökos, die sich in der WG Tisch, Bett und eben den altersschwachen Polo teilen? Von wegen. Das Autoteilen wird in Deutschland immer populärer: Acht Prozent Zuwachs verzeichnete der Bundesverband CarSharing (BCS) allein im vergangenen Jahr - zur Jahreswende zählte er bundesweit 83000 Autoteiler und 2700 genutzte Fahrzeuge. Und sicher, es gibt sie noch, die kleinen Vereine und Initiativen, in denen man samstags zum Autowaschen antritt. Aber längst tummeln sich in der Branche professionelle Firmen, die Geld verdienen wollen mit einigen hundert Fahrzeugen und Dutzenden Angestellten. Greenwheels, Cambio, Stadtmobil, so heißen die Großen.

Sie konzentrieren sich auf die Städte. Hier lebt der ideale Car-Sharer: Er verdient gut, fährt mit Bus und Bahn zur Arbeit. Das Auto benutzt er vor allem samstags zum Einkaufen und sonntags für den Ausflug ins Grüne - allerdings nicht länger als bis 17 Uhr, sonst gibt es im Viertel keine Parkplätze mehr. Und immer öfter denkt er darüber nach, ob er wirklich ein eigenes Auto braucht. Sprit, Steuern, Versicherung, Wartung und Reparaturen, das summiert sich selbst bei der kleinsten Karre auf mehr als 300 Euro im Monat, rechnet der ADAC vor.

Das Prozedere ähnelt dem einer Kurzzeit-Autovermietung

Der Begriff "Car-Sharing" weckt oft die Angst, man müsse sein eigenes Auto mit irgendjemandem teilen. Läuft es professionell ab, ähnelt das Prozedere aber eher dem einer Kurzzeit-Autovermietung, bei der man gegen Kaution und Monatsgebühr Mitglied ist. Kleinwagen, Kombi, Mittelklasse oder Transporter werden stundenweise gebucht per Telefon oder Internet. Die nächste Car-Sharing-Station befindet sich ein paar hundert Meter entfernt - die Mitgliedskarte öffnet einen Schlüsseltresor oder direkt das Auto.

Abgerechnet wird nach Zeit und Kilometern. Die Tarife schwanken je nach Anbieter und Fahrzeuggröße erheblich zwischen einem und acht Euro pro Stunde plus 10 bis 30 Cent pro Kilometer. Benzin ist inklusive. Zwar ist das Teilauto noch immer teurer als Bus oder Bahn, aber deutlich billiger als ein Taxi. " Angesichts der ständig steigenden Kosten für Lebenshaltung, Gesundheit und Altersvorsorge wird Car-Sharing für viele Menschen immer attraktiver werden", prognostiziert Greenwheels-Sprecher Birger Holm.

Doch trotz boomenden Marktes sind die Margen klein - erst ab zehn Autos rechnet sich ein Mitarbeiter für Wartung oder Verwaltung. Ein Auto muss mehr als 20000 Kilometer im Jahr zurücklegen, bis es die Gewinnzone erreicht. So bleibt den großen Anbietern nur, den Profit in der Masse zu suchen. " Im Moment", sagt Willi Loose, designierter Geschäftsführer beim BCS, "werden die Claims abgesteckt."

Der typische Car-Sharer ist ein gut verdienender Akademiker