Dies ist die Art von Film, die man schon deshalb mögen soll, weil der Hauptdarsteller lange Haare hat und ein Gesicht mit großen, leeren Augen darin - weil er durch Bilder wandert, die so farbleer und melancholisch sind wie die farbleeren und melancholischen Tage, die man nur gedankenlos Pubertät nennt - und weil er dabei noch von Liedern begleitet wird, die einen dann allerdings daran erinnern, dass Gitarrenmusik nicht die Antwort auf alle Fragen des Lebens ist. Thumbsucker ist, mit anderen Worten, ein schöner, trauriger Film über einen Jungen am Rande seiner Träume solange Justin Cobb (Lou Taylor Pucci) nur an seinem Daumen lutscht, also ungefähr eine halbe Stunde lang. Wenn ihn dann aber der Regisseur Mike Mills oder der Drehbuchautor Walter Kirn oder der Hippie-Zahnarzt (Keanu Reaves) von dem Problem befreien, kippt die ganze zeitgemäße Sensibilität um und lässt uns zurück mit diesem Jungen, der immer noch lange Haare hat und große, leere Augen, nun aber noch eine Krawatte um den Hals trägt und vor allem im Debattierclub glänzt. Was also angefangen hat als Weiterdichtung der so sehr amerikanischen Geschichte von Peter Pan, der nicht erwachsen wird und in seinen Träumen lebt, endet in der klassischen Fabel von den Problemen, die man bekommt, wenn man vom Jungen zum Mann wird, und den Träumen, die man dabei zurücklässt, in einer Geschichte also, die viel mit dem auch sehr amerikanischen Selbstverbesserungswahn zu tun hat. Da reicht es dann auch nicht, dass Tilda Swinton anfangs ödipale Versuchungen erzeugt oder Lou Taylor Pucci wirklich sehr schön leer schauen kann. Thumbsucker tut avanciert verloren und ist doch im Grunde vorhersehbares Daumenkino.