Ende der achtziger Jahre führte an der Kunstsammlung des Londoner Werbekaufmanns Charles Saatchi kaum ein Weg vorbei. Mit viel Geld und guten Beratern kaufte er damals zusammen, was bald darauf unter dem Markennamen "YBA Young British Artists" in der Kunstwelt für Furore sorgen sollte: radikale Werke von jungen Künstlern wie Chris Ofili und Sarah Lucas, wie Tracey Emin und Damien Hirst.

Inzwischen locken die YBA allerdings niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Saatchi und seine Künstler wurden durch neue Moden abgelöst.

Um trotzdem seine neue Galerie finanzieren zu können, muss der werbende Sammler nun seine Kollektion vermieten. Ein eigens gedruckter, 393 Seiten starker Hochglanzkatalog mit dezent beiliegender Preisliste bietet Paketpreise an: 7000 Pfund pro Jahr für fünf Werke, 20000 Pfund für zwanzig. Rund 600 Arbeiten stehen zur Verfügung, doch wer leiht sie sich aus? Der interessierte Vorstandsvorsitzende könnte sich Tracey Emins Installation My Bed samt Kondomen, Wodkaflasche und Unterhose ins geräumige Büro stellen und daheim überm Ehebett Emins brave Siebdrucke vom Letzten Abendmahl aufhängen. Die bemalten Vasen des töpfernden Transvestiten Grayson Perry passen wunderbar in die Downing Street. Und die britischen Einwohnermeldeämter könnten Chris Ofilis Aquarelle von schwarzen Madonnen präsentieren. Dort fördern sie dann den kulturellen Dialog.