Klaus Kleinfeld wollte Zeichen setzen. Sofort nach seinem Amtsantritt Anfang 2005 führte er einen neuen Kommunikationsstil ein. Fortan wurden seine Siemensianer über wichtige Weichenstellungen im Konzern direkt per E-Mail von "Klaus" informiert; auf Englisch zwar, wie es sich für einen in 190 Ländern vertretenen Weltkonzern gehört, aber auch personalisiert ("Dear Tom", "Dear Monika"). Vor allem bei den Jüngeren kam diese direkte Ansprache gut an. Und wie es sich für einen Unternehmensführer seiner Generation gehört, richtete "Klaus" im Intranet auch eine "CEO Corner" ein, in der das wichtige Thema "Kundenzufriedenheit" offen diskutiert werden konnte. Immer wieder setzte sich Kleinfeld persönlich an den PC, um auf Fragen einzugehen.

In den vergangenen beiden Wochen wurde das Forum zum Pranger. "Wenn ich meinen Job nicht richtig mache, kriege ich dann auch 30 Prozent mehr?", ätzte ein Siemensianer. Die Maßlosigkeit scheine auf der Vorstandsetage um sich zu greifen, ärgerte sich eine Kollegin. Und ein Mitarbeiter in der Kommunikationstechnik vermutete gar Krankhaftes in der Vorstandsdenke: "Als Com-Mitarbeiter habe ich von den Vorständen so viele Visionen erzählt bekommen, dass mancher Psychiater längst von Paranoia sprechen würde".

Auslöser für diese Angriffe war die durch eine Indiskretion vorab bekannt gewordene Gehaltserhöhung für die Vorstände in Höhe von 30 Prozent für das kommende Geschäftsjahr. Beschlossen hatte dies schon im Frühjahr das dreiköpfige Aufsichtsratspräsidium, in dem die Kapitalvertreter Heinrich v. Pierer und Josef Ackermann (Deutsche Bank) den Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Ralf Heckmann überstimmen können. Angesichts massiver Stellenstreichungen in den Krisensparten Kommunikationstechnik (Com) und IT-Dienstleistungen (SBS), in denen auch die Löhne gedrückt werden sollen, war dies "nicht vermittelbar", wie die Betriebsräte sagen. Kleinfeld wollte sich selbst nicht dazu äußern, doch Aufsichtsratschef v. Pierer rechtfertigte den Aufschlag mit der Leistung des Vorstands. Das Desaster um BenQ holte die Manager schließlich ein. Als das taiwanesische Unternehmen die von Siemens übernommene Handysparte (BenQ Mobile) Ende vergangener Woche in Konkurs schickte, kochte die Republik. Parteiübergreifend wurde Alteigner Siemens in die Pflicht genommen.

Jetzt stellt der Vorstand einen Fonds von 35 Millionen Euro für die BenQ-Mitarbeiter bereit; fünf Millionen davon werden durch den Verzicht des Vorstands auf die Gehaltserhöhung für ein Jahr finanziert. (DHL)

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