Beim Sparkassen Chess Meeting, welches die Weltelite im Dortmunder Schauspielhaus austrug, war der Israeli Boris Gelfand der Mann für die "Seeschlangen". Gegen den Engländer Michael Adams verlor er schließlich nach 117 Zügen und siebeneinhalb Stunden ununterbrochener höchster geistiger und psychischer Anspannung, wobei er kurz vor Schluss in beiderseitiger Zeitnot eine studienartige Rettung versäumte – selbst diese beiden Großmeister, die seit über einem Jahrzehnt zu den Top Ten der Welt zählen, mussten der Ermüdung Tribut zollen. Umgekehrt war Gelfand allerdings gegen Baadur Jobava glücklicher. 113 Züge lang belagerte er praktisch pausenlos die schwarze Festung, ehe die Verwandlung eines Bauern in eine neue, zweite Dame des jungen Georgiers Schicksal besiegelte.

Den entscheidenden Vorteil errang Gelfand (der von Frankfurter Juden des 19. Jahrhunderts abstammt und dessen Name sich von "Elefant" ableitet) allerdings bereits nach "nur" 53 Zügen. Zuletzt hatte Jobava als Schwarzer einen weißen Bauern auf f5 geschlagen und erwartete nun ebenso wie die Live-Kommentatoren Klaus Bischoff und ich selber das "automatische" Wiederschlagen des Weißen, sei es mit dem König oder mit dem Bauern – beides hätte ihm, obwohl sein König an den Rand gedrängt war, das Remis verbürgt. Doch Gelfand fand einen verblüffenden Zug, der ihn auf die Siegesstraße brachte, wenn diese auch mit weiteren 60 Zügen und Stunden voller Konzentration noch lang und mühselig war.

Was zog Weiß?

Helmut Pfleger

Auflösung aus Nr. 40:
Mit welchem Schlag errang Schwarz den Vorteil? Nach dem Springeropfer 1…Sxb4! 2.axb4 Se4! gab Weiß wegen der schrecklichen Fesselung seines Springers c3 schon auf. Wohl noch am besten, aber auch hoffnungslos, wäre 3.Td3 Lxb4 4.Ld2 Dc5 5.Te3 gewesen