Tübingen

Das Universitätsstädtchen Tübingen hat bessere Tage gesehen. Zu Hermann Hesses Zeiten etwa lud eine Fülle von Gaststätten zum Verweilen ein. Am liebsten soll der Dichter während seiner Ausbildung zum Buchhändler in den "Walfisch" gegangen sein, der heute "Rebstock" heißt. Vom Wirken eines Größeren kündet noch immer ein kleines Schild im Stadtzentrum: "Hier kotzte Goethe."

Und heute?

"Wenn das so weitergeht, ist hier bald nichts mehr los", sagt Holger Kesten und zeigt auf den "Stern". Im Inneren der Kneipe stehen die Stühle auf den Tischen. Sie hat vor kurzem dichtgemacht. " Verglichen mit anderen Studentenstädten wie Heidelberg oder Freiburg, ist in Tübingen tote Hose", sagt Kesten.

Wie dem 27-jährigen Studenten und Hobby-DJ geht es vielen jungen Tübingern. Rund ein Dutzend Kneipen und Clubs haben zeitgleich geschlossen. " Die Wirte erleben harte Zeiten", klagt Hans-Peter Schwarz vom Handels- und Gewerbeverein.

Besonders schlimm hat es einen Kneipenwirt erwischt, der auf einen Schlag fünf Objekte schließen musste. Er hatte zur WM eine Public-Viewing-Arena eingerichtet. Doch das Projekt scheiterte, 750000 Euro Schulden rissen seine Altstadtkneipen in die Pleite. Die Leidtragenden sind die 20 Mitarbeiter: Sie verloren ihren Job und warten heute noch auf ausstehende Gehälter.

Die Tübinger Studenten schmerzt wohl am meisten, dass das "Depot" schließen musste. Der Club war für HipHop und Drum &amp - Bass bekannt auch DJ Hausmarke von den Fantastischen Vier legte hier regelmäßig auf. Das alte Fabrikgebäude war einer der wenigen Orte, an denen die 83000-Einwohner-Stadt nach Großstadt roch. Die Stadt hat das Gelände vor wenigen Wochen an einen Investor verkauft, weil sie die teure Sanierung nicht bezahlen wollte.