Es gibt zu viele dokumentierte Fälle, um solche Ereignisse ins Reich der Fantasie zu verweisen. Über Tiere, die vom Himmel fallen, wird seit dem Altertum berichtet. Neben Würmer-, Tintenfisch- und sogar (in einem zweifelhaften Bericht) Alligatorenniederschlag ist es vor allem ein Fisch- und Froschregen, von dem immer wieder erzählt wird. Sogar wissenschaftliche Zeitschriften haben von tierischem Regen berichtet, etwa Scientific American (über einen Froschregen im amerikanischen Kansas City, 1873) oder Nature (über Fische in der britischen Stadt Sunderland, 1918).

Die Berichte sind im Detail durchaus unterschiedlich: Mal fallen Fische und Frösche lebendig vom Himmel, was darauf schließen lässt, dass sie nur eine sehr kurze Reise durch die Lüfte hinter sich haben. Dann wieder ist die Rede von toten, steif gefrorenen Tieren, die sich in großer Höhe befunden haben müssen. Und es gibt sogar Erzählungen, in denen es nur blutige Körperteile von Tieren regnet – ein Hinweis darauf, dass sie von den ungeheuren Kräften, wie sie in Gewitterwolken herrschen, zerfetzt worden sind.

Das Phänomen der herabregnenden Tiere ist also wohl nicht nur erfunden. Nie aber hat jemand gesehen, wie sie in die Lüfte gelangt sind. Die einzige plausible Erklärung sind Wind- und Wasserhosen – kleine lokale Wirbelstürme, die die Tiere hochreißen und mit sich forttragen. Bis hinauf zu den Wolken führt die Reise wohl in den seltensten Fällen. Sobald sich der Wirbel auflöst, fallen die Tiere zu Boden. Christoph Drösser

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Von Christoph Drösser und Jörg Kachelmann ist soeben das "Lexikon der Wetterirrtümer" (rororo, 7,90 Euro) erschienen