Kaum bemerkt von der Weltöffentlichkeit führt die Nato dieser Tage den blutigsten Krieg ihrer Geschichte. Und deutsche Bundeswehrsoldaten stecken vorerst noch formal, demnächst vielleicht real mittendrin.

Das Land heißt Afghanistan, es ist das fünftärmste der Welt und gilt seit November 2001 als frei. In Wahrheit, so zeigt sich nun, hat der Westen damals keinen Krieg gewonnen, sondern nur eine Schlacht. Jetzt schlägt das Ancien Régime zurück.

Fast täglich attackieren Taliban-Verbände im Süden des Landes angelsächsische Nato-Soldaten. Die feuern zurück, so massiv sie können. Allein im vergangenen Monat haben sie 1500 Taliban-Kämpfer getötet, bestätigt die Nato. Manche Soldaten der Koalition vertrauten schon Reportern an, sie wären lieber wieder in Bagdad stationiert.

Kein Zweifel: Die Lage im Süden Afghanistans irakisiert sich. Von Stabilisierung, wie der Auftrag der Bundeswehr im Norden lautet, kann dort schon längst keine Rede mehr sein. Was bis zum Sommer noch Hardcore-Aufgabe der US-Operation "Enduring Freedom" war, ist mit dem Befehlswechsel auf die Nato Sache des gesamten Bündnisses geworden: der großkalibrige Feldzug gegen Neoterroristen.

Daheim in Berlin tut der Bundestag derweil so, als herrsche am Hindukusch nation-building as usual. Jedenfalls unternimmt er nichts, um zu vermeiden, dass die Bundeswehr in einen Krieg hineingesogen wird, für den er ihr nie und nimmer ein ausdrückliches Mandat erteilen würde.