Ich war gerade 22, hatte von der Weltpolitik natürlich keine Ahnung, was ich aber nicht glaubte, schließlich las ich den "Spiegel" und die "FR". In der Friedensbewegung war ich auch nicht wirklich aktiv, das war mehr ein Lebensgefühl. Den Warschauer Pakt fand ich so unsympathisch wie die Nato, und die Aufrüstung hielt ich für Wahnsinn.

Also fuhr ich nach Bonn, mit Freunden, in einem klapprigen Käfer. Eine lange Autofahrt war das, der VW schaffte knapp 120 Stundenkilometer, aber dafür hatte er einen Clarion. Das war der erste Autokassettenrekorder. Wir hörten Patti Smith auf der Fahrt, Genesis und King Crimson. Denn wichtig waren damals eigentlich nur Musik und Mädchen. Davon gab es eine in Bonn, es war eine etwas unklare Geschichte allerdings. Vom Hofgarten habe ich nur noch Bilder im Gedächtnis, Transparente, Zirkel, in denen Joints kreisten, und Reden, na klar. Es war ein gutes Gefühl, etwas getan zu haben, aber wir glaubten keinen Moment daran, dass wir wirklich etwas ändern würden.

In meiner Erinnerung ist die Hofgartendemo eine seltsame Mischung aus Kundgebung und Festival geblieben. Und wäre ich 20 Jahre jünger, wäre ich wohl zur Love Parade nach Berlin gefahren.