Jetzt träumen sie wieder – von einem Harvard an der Isar, von Oxford am Neckar, von Stanford an der Spree. Sie träumen von deutschen Nobelpreisen (gerade jetzt, da die Auszeichnungen für Medizin, Chemie, Physik und Wirtschaftswissenschaften allesamt in die USA gegangen sind). Deutschlands Politiker wollen den eigenen Sonntagsreden vom Wert der Bildung und von den Ressourcen in den Köpfen endlich Taten folgen lassen. Bund und Länder verteilen 1,9 Milliarden Euro an die besten deutschen Universitäten, die erste Rate ist in dieser Woche fällig. Sie fördern herausragende Forschungsschwerpunkte (Exzellenzcluster) und die Ausbildung von hoffnungsvollen Nachwuchsakademikern (Graduiertenschulen). Und sie prämieren jene "Zukunftskonzepte", mit denen eine Hand voll Hochschulen in die Weltspitze der Wissenschaft vorstoßen will.

Kann man mit 1,9 Milliarden Euro – verteilt auf fünf Jahre – Eliteuniversitäten gründen? Nein. Zum einen verfügt allein die private kalifornische Universität Stanford über einen Jahresetat von 2,69 Milliarden Dollar. Zum anderen kann man sich mit Geld eine Elite nicht kaufen.

Dennoch wird die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern die deutsche Hochschullandschaft gründlich verändern. Der Wettbewerb wird aufräumen mit der ungerechten Gleichmacherei, welche die Stärken deutscher Hochschulen verbirgt und ihre Schwächen zu verbergen sucht. Am Ende könnten alle gewinnen, an Profil und Selbstbewusstsein. Es könnten Universitäten entstehen, die mit den besten der Welt konkurrieren. Und Hochschulen, die Deutschland an die Weltspitze bringen, weil sie jene Akademiker ausbilden, die wir in Unternehmen, Schulen, Ingenieurbüros oder Arztpraxen dringend brauchen.

Die Bewerber beteuern, schon durch die Teilnahme am Exzellenzwettbewerb gehöre man zu den Siegern. Denn die Hochschulen haben Kooperationen geschmiedet, Mauern zwischen Disziplinen eingerissen, erstarrte Strukturen aufgeweicht, Programme zur Förderung von jungen Frauen entworfen.

Die Exzellenzinitiative hilft, die Spitzenforschung an die Hochschulen zurückzubringen. Bisher leidet die universitäre Wissenschaft an der erdrückenden Überlast der Studenten, die sich auf zu wenigen Studienplätzen drängen. Sie leidet an den Sparprogrammen der Länder, die Stellen kürzen und Fachbereiche schließen. Die Forschungselite sammelt sich derweil in den Instituten der Max-Planck-Gesellschaft, Fraunhofer-Gesellschaft oder Helmholtz-Gemeinschaft. Aber nicht erst der Exzellenzwettbewerb schafft Strukturen, die diese oft beklagte "Versäulung" des deutschen Wissenschaftstempels korrigieren. Die gemeinsame Berufung von Professoren, die gemeinsame Ausbildung von Doktoranden, gemeinsam gegründete Research Schools – diese Zusammenarbeit trägt bereits Früchte.