Wenn jemand geht, hinterlässt er eine Lücke. Im Fall von Elisabeth Gehrer ist es eine Bildungslücke. Sie habe sich bloß gegen eine rot-grüne Bildungspolitik gewehrt, resümiert sie, und man fragt sich, wo diese in einer schwarz-blau-orange Regierung hätte stattfinden können. Sie sei "vernadert" worden, die Opposition habe sie "schlecht gemacht". Schlecht gemacht war allerdings vieles in ihrer Amtszeit, doch Gehrer bilanziert famos in eigener Sache. Die Studiengebühren etwa hätten sich bewährt, und das sogar trotz ihrer ursprünglichen Ablehnung. Sanfte Selbstkritik kann am Ende einer triumphalen Laufbahn nicht schaden. In der Presse , dem Zentral- und Verkündigungsorgan von ÖVP-Begehrlichkeiten, werden Pluspunkte ihrer Amtszeit veröffentlicht, für die sie wenig kann. Die Aufhebung der Zweidrittelmehrheit bei Schulgesetzen zum Beispiel, die allerdings einer Zweidrittelmehrheit im Parlament bedurfte. Minuspunkte sucht man vergebens. Damit schließt man nahtlos an Schüssels "Alles ist gut"-Mantra an. Die lächerlich geringe Akademikerquote, wo wir die Türkei in die innereuropäische Statistik aufnehmen, um nicht Letzte sein zu müssen, die offensichtliche Inkompetenz von Seipel, das umstrittene ÖH-Gesetz, das Affentheater um die Eliteuni und vieles mehr nimmt die bekannt ausgewogene Presse der scheidenden Ministerin nicht übel. Sie wird uns in Erinnerung bleiben im Dirndl mit der Flöte an den Lippen. Ihre Musik war, wie die von Schüssel herausgegebenen Liederbücher beweisen, eher schlicht. Sie hat sich oft verstrickt, die Handarbeitslehrerin, jetzt legt sie die Nadeln aus der Hand. Man freut sich mit ihr, die Überforderung hat ein Ende.