MPS also. M-P-S. Könnte "Mehr Pferdestärken" heißen, "Mein Privatspaß", steht jedoch für "Mazda Performance Series", was in etwa dasselbe ist, nämlich Mazda-Tuning ab Werk. Mazda 6 MPS also heißt mein Testwagen. Das Auto ist die schnellste Mazda-Serienlimousine aller Zeiten, unterscheidet sich auf den ersten Blick aber nur minimal von der normalen Mazda-6-Stufenheckvariante. Das Design des Wagens ist nicht aggressiv, eher seniorentauglich, zumal in bravem Silber. Getunt ist das Auto allerdings unterm Blech.

Dadurch – dies ist der erste Eindruck auf der Straße – fällt der Mazda im Verkehr nicht auf. Wegen seines Understatements nimmt man ihn auf deutschen Autobahnen, diesem Auslaufplatz gehetzter Seelen, nicht ernst, noch nicht einmal wahr. Da bleibt der Japaner ein Japaner, und für diesen fährt man nicht zur Seite, ehe der Sicherheitsabstand weit unterschritten ist. Doch das wollen wir nicht wagen.

Dass der Mazda 6 MPS mit 240 Stundenkilometern elektronisch begrenzter Höchstgeschwindigkeit schneller ist als viele andere Autos, kann man anderen Autofahrern besser zeigen, wenn man vor ihnen fährt. Platz da, Mazda? Ein Autofahrer "bat" mich mit Lichthupe, ihm die linke Spur freizugeben – doch statt auf die rechte Fahrbahn zu wechseln, gab ich Gas. Der 2,3-Liter-Vierzylinder-Turbomotor mit 260 PS, der seine Kraft mit Hilfe eines permanenten Vierradantriebs mit elektronisch geregelter variabler Kraftverteilung auf die Straße überträgt, sprach direkt an und beschleunigte flugs und vibrationsfrei auf die Höchstgeschwindigkeit. Ich war beeindruckt und denke, der Nötiger war es auch.

Solch ein Imponiergehabe mit der Folge, all die Drängler in ihren üblichen Drängel-BMW-Mercedes-Audis in Sekundenschnelle erst verdutzt und dann schrumpfend im Rückspiegel zu sehen, kostet einige Euro. Während der Beschleunigung (oder Flucht nach vorn?) zeigte der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 42,5 Litern auf hundert Kilometer. Am Ende jenes Tages sollte er immer noch bei 18 liegen.

Wir waren übrigens unterwegs von Hamburg nach Oberbayern – meine Frau hatte eine Woche Urlaub auf einem ökologisch geführten und für seine Kinderfreundlichkeit ausgezeichneten Bauernhof gebucht. Wie würden uns die anderen Gäste wohl empfangen, wenn wir mit unserer Hochleistungslimousine einparken, womöglich zwischen lauter 3-Liter-Autos? Ich konnte da nur auf das Mazda-Understatement hoffen und ließ mich unterwegs vom Bose-Surround-System mit sieben Lautsprechern einschließlich Subwoofer ablenken, mit dem sich auch Biene-Maja-CDs großartig anhören, sogar für Eltern. Die serienmäßige Klimatisierungsautomatik, die die Luft (die man draußen gerade mit Abgasen voll bläst) laut Hersteller hundertmal gründlicher säubert als ein herkömmlicher Aktivkohlefilter, tat unhörbar ihren Dienst, abgekapselt fuhren wir nach Süden, sogar unser Gepäck hatte in den 500-Liter-Kofferraum gepasst – vom Kinderfahrrad unseres fünf Jahre alten Sohnes mal abgesehen. Seine Begeisterung für das Testauto war trotzdem groß: Zu seinem Glück hatte er an seiner Tür einen eigenen elektrischen Fensterheber. Zu meinem Glück konnte ich den vom Fahrersitz aus sperren.

Als wir schließlich auf unserem Ferienbauernhof ankamen, war die Reaktion auf unser Auto: keine. Die Gäste saßen in Vollversammlung vorm Fernseher und guckten Fußball. Auch ich hätte das Spiel gern von Anfang an gesehen, doch der 60-Liter-Tank des Mazda hatte sich auf unserem Weg von Nord- nach Süddeutschland als eindeutig zu klein erwiesen. Oder der Verbrauch als zu groß. Oder die Geschwindigkeit als zu hoch – was sie letzten Endes dann wieder gar nicht war, weil wir ständig Ausschau nach Tankstellen hielten.

Die Gäste auf dem Ökohof waren dann auch nicht mehr das, was sie einmal gewesen sein sollen. Niemand war mit alternativen Verkehrsmitteln angereist, hatte seinen Koffer den Hang hinauf zum Hof gezogen. Kein einziges 3-Liter-Auto war zu sehen. Unser Testwagen passte sich gut ein zwischen großen deutschen und skandinavischen Familienlimousinen.