Berlin

Wäre der Dienstplan an jenem Tag ein anderer gewesen, Celal Altun hätte vielleicht nie ein türkisches Pflegeheim gegründet. Aber als sein Vater im Krankenhaus Schmerzen im Unterbauch bekam, waren nur Krankenschwestern auf der Station, keine Pfleger. Und von einer Frau wollte der Vater sich nicht behandeln lassen. Also litt er lieber drei Tage lang an Schmerzen, bis ihm endlich ein Pfleger half.

"Die Schamgrenze der Türken ist anders als die von Deutschen", sagt Celal Altun, der Vorsitzende der türkischen Gemeinde zu Berlin.

"Türken tun sich immer noch schwer, in deutsche Pflegeeinrichtungen zu gehen. Und diese sind auf andere Kulturen nicht gut eingestellt." Vier Jahre nach diesem Erlebnis eröffnet Altun im November zusammen mit der Marseille-Kliniken AG das erste Pflegeheim für türkische Senioren in Berlin. Männer werden hier nur von Männern gepflegt, Frauen nur von Frauen. Ein muslimischer Koch sorgt für Essen ohne Schweinefleisch und Schweinefett. Das Personal spricht türkisch. Ein Gebetsraum bietet Platz für das Freitagsgebet, und da türkische Rentner über ein geringeres Einkommen verfügen als Deutsche, wird alles so kostengünstig wie möglich sein.

95000 türkische Senioren leben in Deutschland, ihre Zahl wächst.

Allein in Berlin, schätzt Altun, müssten rund 3000 Türken eigentlich in einem Altenheim betreut werden tatsächlich sind es derzeit weniger als 100.

Aber ist es nicht ein Rückschritt, wenn Türken im Alter nur unter sich bleiben? Steht das nicht im Widerspruch zu der derzeitigen Debatte?