Es ist nur ein halbes Jahr her, da musste Bernd Pischetsrieder um die Verlängerung seines Vertrages als Chef des VW-Konzerns zittern. Sein Vorgänger und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch zweifelte öffentlich an ihm, die Arbeitnehmervertreter waren ihm wegen seiner Umbaupläne gram. Er blieb Chef. Und jetzt landet der als Zauderer verschriene 58-Jährige ein Comeback: Erst einigten sich Management, IG Metall und Betriebsräte für die westdeutschen VW-Werke auf die Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags, der die Arbeit dort effizienter und billiger machen kann. Nun könnte Pischetsrieder ein weiteres unvollendetes Projekt seines Vorgängers zum Erfolg führen.

Piëch hatte sich teuer beim schwedischen Lkw-Bauer Scania eingekauft, um die ganze Palette von Nutzfahrzeugen anbieten zu können. Das funktionierte nicht. Jetzt nutzt Pischetsrieder den Angriff des deutschen Konkurrenten MAN auf Scania, um eine Neuordnung des europäischen Marktes zu orchestrieren. Durch seinen Coup, sich auch bei MAN als Großaktionär einzukaufen, treibt er die beiden anderen Unternehmenschefs zu einer "freundlichen" Zusammenarbeit. Binnen vier Wochen sollen sie ausloten, wie man gemeinsam Geld sparen und besser vorankommen könnte. Außerdem will der VW-Chef die eigene Herstellung von Schwerlastern in Brasilien an die neue Allianz andocken und auch sonst mit dem möglichen MAN-Scania-Verbund kooperieren. Das könnte allen Seiten nutzen. Kommt Pischetsrieder mit dem Plan durch, dann kann er als derjenige in die VW-Geschichte eingehen, der das schwierige Erbe seines Vorgängers geordnet hat.

Und all jene, die derzeit rasend schnell einen deutschen Topmanager nach dem anderen abschreiben, sollten sich im Übrigen überlegen, ob sie nicht einen längeren Atem brauchen.