Seine Stimme klingt noch in den Ohren, weniger das, was er sagte. Ich musste nachschlagen, um mich an unser Telefongespräch vor neun Jahren zu erinnern. " Ist es nicht seltsam", fragte ich Heinz Sielmann, "wie berühmt Sie als Tierfilmer geworden sind?" " Nein", sagte er sehr bestimmt. " Tiere, Heimatmusik und Fußball kommen immer an."

Vielleicht ist es diese Selbstsicherheit, diese Unverrückbarkeit der Anschauungen, die Sielmanns Leben geprägt hat, das vorige Woche nach 89 Jahren zu Ende ging. Seine Berufung entdeckte er schon als Junge, der in Ostpreußen mit einer Spiegelreflexkamera Jagd auf Schnepfen machte, es muss für ihn eine Gnade gewesen sein. Als Vertreter einer ökologiebewegten Generation hatte ich mit ihm über Ideale reden wollen in der Annahme, einem so geradlinigen Leben müsse eine starke Überzeugung zugrunde liegen. Er wehrte ab, zog sich zurück auf eine "angeborene Faszination für alles, was kreucht und fleucht".

Seit den siebziger Jahren und der ARD-Serie Expeditionen ins Tierreich war er eine dieser strahlenden Fernsehfiguren, die es heute nicht mehr gibt, weil die Aufmerksamkeitsspanne der Medien gesunken ist. Auch dass er so früh kam, war sein Glück. Bereits 1938 entstand sein erster Tierfilm. Bekannt wurde er in den fünfziger Jahren mit einer Dokumentation über Spechte, deren Baumhöhle er aufgesägt und mit einer Glasplatte versehen hatte. Es kommt mir vor, als ruhe selbst dieser uralte Schwarzweißfilm irgendwo in meinem Bildergedächtnis, wo ihn der surrende Projektor eines Biologielehrers hingezaubert hat und als hörte ich Sielmann, wie er mit nasaler Stimme in seiner heute altmodisch anmutenden Sprache über die "Zimmerleute des Waldes" spricht.

Angeblich mochte er alle Tiere, außer Hunden. Er filmte Gorillas, Störche, Flusspferde. Verbrachte Tage im Dschungel Papua-Neuguineas, wartete bei 40 Grad Hitze und Monsunregen auf einen exotischen Vogel, den er in 15 Meter Höhe auf einem Baumwipfel belauerte nur weil das noch kein Filmemacher getan hatte. Wie ein Anwärter für das Guinness Buch der Rekorde wollte Sielmann vor allem der Erste sein.

Die Natur bezeichnete er als "erregend". Sie war seine Welt, er war durchdrungen von ihr. Die letzten Jahre verbrachte er mit seiner Frau Inge in einem Haus in München, in dessen Garten er viele Vogelarten heimisch werden ließ. Zum Schluss schien ihn die Vergänglichkeit zu beschäftigen, er gründete eine Stiftung für den Naturschutz. Für mich wird er weiterleben als jener lehrerhafte Herr aus dem Fernsehen, dessen Sehnsüchte ich nachempfinden konnte, dessen Besessenheit ich aber nie ganz verstand.