Der Entscheidung für Drogentests gingen in Salem jahrelang Diskussionen voraus. Sie letztlich durchzuführen war notwendig und richtig. Dieses Vorgehen bedeutet immer auch das Eingeständnis, pädagogisch versagt zu haben.

Das Primat der Sekundärtugenden mit seiner Scheinoffenheit fördert lediglich Unterwerfung und Heuchelei. Regeln sind erfolgreich nur über Beziehung vermittelbar, ein Prinzip, das Bueb in der Praxis immer eingehalten hat.

Bueb ist und bleibt ein herausragender Pädagoge in der Praxis. Seine Begeisterung für amerikanische und englische Internate sind blanke Idealisierungen. Idealisierungen sind eben auch das Ergebnis von Notgemeinschaften, wie die Berichte der Altsalemer im Ressort Leben in derselben Ausgabe der ZEIT zeigen. Wir würden ihm nach wie vor unser Kind anvertrauen, aber im Gegensatz zu seinen theoretischen Idealen nicht ab dem 3., sondern frühestens ab den 180. Lebensmonat. Er soll weiter zahlreiche populistische, dem jetzigen Zeitgeist entsprechende Werte- und Disziplinbücher mit dem Ideal der Unterwerfung schreiben, seine pädagogischen Fähigkeiten in der Praxis sollten uns allerdings erhalten bleiben.

Prof. Hans Becker und Dr. Peta Becker-Rose Heidelberg

Schade, dass Journalisten immer wieder dazu neigen, Texte aus ihrem Zusammenhang zu reißen. Sei es bei Bernhard Bueb oder auch bei Eva Herman.

Wenn man Buebs Lob der Disziplin von vorn bis hinten gelesen hat, wird man den Inhalt ganz anders interpretieren als Herr Altenburg, denn es geht nicht nur um Disziplin, sondern auch um Zuneigung, Liebe und um Aufmerksamkeit. Der Mann hat absolut fortschrittliche Gedanken.

Disziplin braucht jeder von uns. Aber da Disziplin offensichtlich verpönt ist, dürfen Hundebesitzer im Park ihre Hunde frei laufen lassen, oder Lehrern wird von vermeintlich engagierten Eltern mit dem Anwalt gedroht, weil mit ein wenig Disziplin mehr Ruhe in eine Klasse gebracht werden soll.