Dieser Artikel und seine Präsentation waren keine Sternstunde des ZEIT-Feuilletons. Was wollte Herr A. eigentlich sagen? Dass er Spaß daran hatte, Bernhard Bueb abzuwatschen, habe ich begriffen. Dass er das Buch aber mit Verstand gelesen hat, bezweifle ich. Das Ganze war eine überflüssige Polemik, die dort einfach nur schäbig war, wo er Bueb geistige Nähe zum Nationalsozialismus und den Ultrarechten unterstellte. Übrigens, lieber Herr A., wie soll die Schule (was Sie sich zu Recht wünschen) gesellschaftskritisches Denken vermitteln, wenn sich die Schüler der Zuhörbereitschaft und der Anstrengung geistiger Arbeit (= Disziplin) verweigern, was Sie ihnen ja empfehlen?

Ach, lieber A., si tacuisses

Dr. Dieter Mohrhart, Dassendorf

Wie abgehoben und weltfremd muss man sein, um in einem Feuilleton einer ernst zu nehmenden Wochenzeitung einen so subjektiven Artikel schreiben zu können und zu dürfen. Sollte es sich immer noch nicht bei den (Pseudo-)Liberalen der Postmoderne rumgesprochen haben, dass zwischen dem Weiß des ungezügelten Individualismus, des "Tu, was du willst!" und dem Schwarz der autoritären Persönlichkeitszerstörung der große Korridor der Erziehung zur Persönlichkeit liegt, ohne die der Mensch in kindlicher Affektivität orientierungslos im Meer der Anreize und des Konsumismus umhertreibt? Dazu gehört in jeder Kultur eine Art von Initiation, die niemals ohne Grenzziehungen auskommt.

Selbstdisziplin und Selbstorganisation gerade in einer Zeit des allgegenwärtigen und ungefilterten Rauschens der Medien und der Werbung verlangen Schulung in Disziplin. Lohnenswerter als eine Diskussion über "ob" oder "ob nicht" wäre und ist die Diskussion über "wie viel" Disziplin und unterstützende Tugenden wie Achtung, Achtsamkeit, Kritikfähigkeit.

Diese Art der Betrachtung scheint dem Autor fremd zu sein, damit outet er sich für mich als inkompetent in Erziehungsfragen. Leider steht zu befürchten, dass er vielfach beklatscht wird von all den frustrierten Spätachtundsechzigern (ich gehöre zu den Frühachtundsechzigern!), die den guten Ansatz dieser Zeit nie verstanden haben.

Dr. med. Dieter Stracke, Kreuztal