Aus dem Schatten seines Vaters ist er nie herausgetreten. Friedrich Karl Flick (1927 bis 2006), der in der vergangenen Woche starb, fehlten der Wille und die Kraft, den bedeutendsten Familienkonzern der Bundesrepublik fortzuführen. Der alte Flick muss es befürchtet haben.

"Das Bürschchen" nannte er seinen jüngsten Sohn noch, als der schon in die Jahre kam. Auf dem Totenbett der Konzerngründer starb 1972 verfügte er, dass seine beiden Neffen Gert-Rudolf und Friedrich Christian Flick als Vorstandsmitglieder eingesetzt wurden, damit FKF nicht allein auf der Kommandobrücke stand. Seinen Sohn ließ er darüber im Unklaren. Dagegen war FKF im Hause Flick wurde stets mit Namenskürzeln gearbeitet informiert, dass er die Macht auch mit seinem Jugendfreund, dem Manager Eberhard von Brauchitsch, teilen musste. Der Alte hatte ihn in seinem Testament gebeten, als Stütze für seinen Sohn in den Konzern zurückzukehren.

Zwei Jahre zuvor war von Brauchitsch wegen Unstimmigkeiten mit FKF ausgeschieden und zu Springer gewechselt. Von seiner Rückkehr wussten wiederum die Neffen nichts.

Das Doppelspiel des Konzerngründers hätte die Vorlage für eine deutsche Dallas-Serie werden können. Der ehemalige Flick-Manager von Brauchitsch, der immer diskret blieb, obwohl er einer der Hauptleidtragenden des eigenwilligen Führungsstils von FKF war, begnügte sich mit der Feststellung, dass die Flick-Holding "kein Naturschutzpark" sei.

Kontakt zu seinen Firmen hatte er nur noch per Kontoauszug

FKF mag schwach gewesen sein, aber sein Machtinstinkt funktionierte.

Der gelernte Betriebswirt boxte die beiden Neffen von der Brücke und war 1975 alleiniger Konzernchef. Sein Vater war noch stolz darauf gewesen, dass er einen Hochofen fahren konnte. Der Sohn dagegen war mit der Produktionsebene seiner Firmen nur noch per Kontoauszug verbunden.