Wenn Religion als Begründung für Unterdrückung und Gewalt missbraucht wird, ist Religionskritik ein unerlässliches Gegenmittel einer freiheitlichen Gesellschaft. Gerade eine gegen die Gewaltbereitschaft religiöser Fanatiker gerichtete Religionskritik sollte jedoch selbst auf blutrünstige Spektakel mit abgeschlagenen Köpfen verzichten können. So bleibt der bittere Verdacht, dass im vorliegenden Fall die Religionskritik in einer zumindest fragwürdigen Form ihrerseits missbraucht wurde, um einem der finanziell klammen Berliner Opernhäuser zu Publicity, höheren Zuschauerzahlen und letztlich nur zu mehr Geld zu verhelfen.

Dr. Patrick Thalacker, Freiburg im Breisgau

Ich kann es immer noch nicht fassen. Kann es sein, dass wir in unserem eigenen Land uns vorschreiben lassen müssen, welche Kulturgüter wir sehen und hören wollen? Ich würde vorschlagen, alle, die sich durch eine solche Darstellung belästigt fühlen, dürfen doch bitte schön gerne dahin zurückkehren, wo sie so etwas nicht zu erwarten haben. Wie war das mit Integration? Gehört dazu nicht auch das Akzeptieren der Kultur, in die man sich integriert?

Klaus Dalheimer, per E-Mail

Nicht nur der Papst und Minister Schäuble, sondern auch viele andere Mitbürger sind besorgt und bemühen sich um Verständigung, gegenseitige Achtung, um das friedliche Miteinander zu erhalten und zu fördern. Und dann wird in der sowieso schon angespannten Weltlage die Oper Idomeneo inszeniert. Bestimmt nicht im Sinn von W. A. Mozart. Weltweit fließt doch schon genug Blut. Grausamkeiten sind ja heute schon nicht mehr zu überbieten. Aus Angst vor dem Terror sollte man nicht kapitulieren, aber aus Vernunft sollte die Aufführung abgesetzt bleiben.

Manfred Voss, Rotenburg/W.

Mit blankem Zynismus hat sich Herr Neuenfels in seiner Idomeneo-Inszenierung von allen Werken des Freigeistes Mozart fundamental entfremdet, wenn er in seiner Schlussszene die abgeschlagenen Köpfe von drei Leuchttürmen der großen Religionen vorführt. Mit Mozart hat das nichts mehr gemein. Erstaunlicherweise habe ich in der aufgeregten Berichterstattung zwar viel von Selbstzensur und Feigheit erfahren, kein Wort dagegen über die plumpe Geschmacklosigkeit der beanstandeten Szene.