Einem Verkehrsunternehmen, das täglich mit vierhundert Eisenbahnen zehntausend Fahrzeuge und vierzigtausend Passagiere transportiert, kann es eigentlich nicht schlecht gehen. Und wenn es mit 793 Millionen Euro Jahresumsatz ein operatives Betriebsergebnis von 58 Prozent erzielt, darf es zu den Spitzenreitern in der Wirtschaft gezählt werden. Trotzdem steht das größte private Verkehrsprojekt Europas, der Eurotunnel zwischen Frankreich und England, seit Jahren vor dem Bankrott. Der Betrieb floriert, aber die Rückzahlung der Kredite verschlingt alle Einnahmen. Jacques Gounon, der viel gelobte fünfte Chef der Aktiengesellschaft seit 1986, hat im vergangenen Jahr die Belegschaft um ein Drittel auf 2600 Mitarbeiter reduziert und erneut das Betriebsergebnis deutlich gesteigert. Doch der Schuldenberg, der auch nach 20 Jahren noch 9 Milliarden Euro beträgt, ist einfach zu groß. Dabei haben die Banken ihre Kredite zum Großteil längst abgeschrieben und den Rest gewinnbringend an Hedge-Fonds verkauft. Der ehemalige Staatssekretär Gounon verlangt keine Staatszuschüsse, aber wenigstens Steuerbefreiung, um unter dem Druck der Billigkonkurrenz auf dem Wasser und in der Luft noch kostengünstiger zu arbeiten. Im Vergleich zu den Kosten einer Pleite des Eurotunnels wäre dieser öffentliche Einnahmeausfall spielend zu verkraften und zudem eine Geste, dass öffentlicher Verkehr, zumal auf der Schiene, zur Daseinsvorsorge gehört.