Wie bereits seit längerem in den USA, scheint sich nun auch in Europa ein wissenschaftlich begründeter Schöpfungsglaube auszubreiten. Ein Glaube, der aus meiner Sicht weniger an das Christentum als an antike Schöpfungsmythen erinnert. Letzten Endes muss dabei Gott als "Lückenbüßer" für Unerklärtes herhalten: Was gestern Unwetter, Erdbeben und der Lauf der Gestirne waren, ist heute die Entstehung des Lebens.

Wir sollten nicht erwarten, dass wir nach kaum 600 Jahren breiter methodischer Naturforschung schon so weit sind, dass wir Gott bei der Arbeit zuschauen können. Wir sollten auch nicht den Fehler machen, unsere Denkkategorien (zum Beispiel über das Wesen von Zufall und Notwendigkeit) einfach auf das Wirken Gottes anzuwenden. Vielleicht sollten Herr Dekker und die Vertreter des Intelligent Design sich die Zeit nehmen und Denker wie Thomas von Aquin studieren: Vernunft kann die Welt erkennen, und diese ist auch nicht auf nachträgliche Eingriffe Gottes angewiesen. Sie wäre sonst ja nicht von Anfang an perfekt, was Gottes Leistung schmälern würde. Gott selbst ist für uns unbegreiflich. Der Kern des christlichen Glaubens ist die Offenbarung Gottes, nicht ein Existenzbeweis.

Jürgen Schwab, Tübingen