Ein Eisrand umsäumt die arktische Riesengarnele. Lachs, Hering und Dorsch liegen klein geschnitten in Marinade oder ganzheitlich in Panade. Norwegen ist eine Fischernation, und das schlägt sich auf dem Teller nieder. Lauter gute Gründe, das abendliche Buffet auf der MS Trollfjord, einem hochmodernen Großschiff der norwegischen Hurtigruten-Linie, hart steuerbordseitig anzulaufen und Schwein und Poularde backbords liegen zu lassen.

"Und was fehlt?", fragt der hoch aufgeschossene Endvierziger neben mir, nachdem er amüsiert die Suchbewegung meiner Gabel verfolgt hat.

"Falls Sie Walfleisch suchen: keine Chance! Wir Deutschen haben hier an Bord traditionell die absolute Mehrheit, und das Management weiß natürlich, dass Deutsche nichts vom Walfang halten." Und dann fügt er noch hinzu: "Die Norweger übrigens auch immer weniger."

Professor Boris Culik ist Walleiter. Und das personifizierte Extra an Bord des Linien-Passagierdampfers mit der dreistöckigen Bugveranda.

Als so genannter Lektor wird er den Teil der Gäste vorab schulen, der zusätzlich zur Route KirkenesBergen noch eine Walbeobachtungsexkursion gebucht hat. Und weil man bei Walen noch extremer als bei Eisbergen immer nur den obersten Rand aus dem Wasser aufragen sieht, gilt die Goethische Weisheit: Man sieht nur, was man weiß. Die Faszination Pottwal zum Beispiel versteckt sich kilometertief unter der Meeresoberfläche. Dort will, PowerPoint-gerüstet, Boris Culik mit uns hinabtauchen in der großen Vortragsrotunde der Trollfjord.

Doch erst einmal läuft en suite die eigentliche Sensation der Hurtigruten: als dreidimensionaler Naturfilm, den man vom Deckliegestuhl aus, an die Reling gelehnt oder sogar im Whirlpool auf sich wirken lässt. Ich wähle die vierte Möglichkeit und umkreise das Oberdeck nordic walkend, natürlich ohne Stöcke. Tätige Reue: Der marinierte Dorsch war hervorragend, aber wohl auch kaloriensatt, die Mangocreme ebenso.

Ein Matrose reckt sich über den Bug und pflückt Moos von der Steilwand