Besonders intelligente Kinder benötigen mehr Zeit für die Hirnreifung als durchschnittlich begabte. Neurowissenschaftler aus Bethesda, USA, fanden heraus, dass die Hirnrinde von Kindern mit einem Intelligenzquotienten (IQ) von über 120 bis zum elften Lebensjahr wächst und dann ihre größte Dicke erreicht. Bei Kindern mit einem durchschnittlichen IQ von 100 weist die Hirnrinde die gleiche Dicke bereits mit sieben bis acht Jahren auf. In der Pubertät bildet sich die Hirnrinde wieder zurück, weil die neu gebildeten Nervennetzwerke zur Effizienzsteigerung mit der isolierenden Myelinhülle ummantelt werden. Schiebt man Erwachsene mit hohem oder durchschnittlichem IQ in einen Kernspintomografen, zeigen ihre Gehirne keinen Unterschied. Es scheint also die Dynamik der Hirnentwicklung zu sein, die entscheidend für die Intelligenz ist.

Übrigens spielt die Intelligenz eine zwiespältige Rolle bei der Frage, wie Jugendliche mit sich und der Welt in der Pubertät zurechtkommen. "Eine hohe Intelligenz schützt vor Problemen, doch extreme Hochbegabung bedeutet ein Risiko", sagt der Kinder- und Jugendpsychiater Michael Schulte-Markwort vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Bei Jugendlichen stimulieren Belohnungen ein besonderes Hirnzentrum, den Nucleus accumbens, noch intensiver als bei Kindern oder Erwachsenen. Eine gute Note in der Schule kann eine besondere Bedeutung haben und über Glück oder Trauer entscheiden. Doch zugleich bewertet das Teenagerhirn kleine Belohnungen schwächer, als das Hirn von Erwachsenen, sodass Jugendliche schöne Erlebnisse oft nicht richtig wahrnehmen.

Manche Pubertierenden empfinden daher eine Kanutour oder den Theaterbesuch als "superlangweilig". Sie benötigen stärkere Anreize, um Befriedigung zu spüren. Nicht selten gehört dazu ein gewisses Abenteuer, wobei sich am besten Verbotenes mit Risiken verbindet. Achim Wüsthof

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