ZEIT: Die anderen?

Osterwalder: Die traditionell weitreichende Unabhängigkeit der ETH Zürich von der Politik sowie die weitreichenden Kompetenzen des Präsidenten im Gegensatz zur Gremienwirtschaft an den meisten deutschen Universitäten. Beides zeigt sich exemplarisch an der Berufung neuer Professoren. Sie ist bei uns von jeher eine Angelegenheit der Hochschule, in die kein Ministerium hineinregiert.

Und innerhalb der Universität liegt die Berufung ganz in den Händen des Präsidenten.

ZEIT: Er kümmert sich um jede Personalie?

Osterwalder: Bis in die achtziger Jahre leitete der ETH-Präsident tatsächlich jede Berufungskommission selbst. Heute übernimmt diese Aufgabe eine Vertrauensperson des Präsidenten. Zudem ernennt er mindestens die Hälfte der Mitglieder des Gremiums. Entsprechen die Vorschläge der Kommission nicht seinen Erwartungen, kann er darum bitten, sich nach besseren Kandidaten umzuschauen.

ZEIT: Passiert das auch?

Osterwalder: Natürlich, und zwar nicht selten. Zudem kann der Präsident selbst Professoren an die Hochschule holen und die Gremien umgehen. Das macht er, wenn ein Kandidat von unangefochtener wissenschaftlicher Qualität auftaucht, bei dem die Entscheidung sehr rasch gehen muss, weil viele ihn umwerben.