ZEIT: In Deutschland dauert das Berufungsprozedere im Schnitt mehr als ein Jahr.

Osterwalder: In dieser Zeit sind die guten Leute längst weg. Aber das weiß man auch in deutschen Universitäten und versucht zu handeln. An der TU Darmstadt zum Beispiel, die einen Sonderstatus genießt, darf der Präsident in Rücksprache mit dem Hochschulrat in Ausnahmefällen ebenso Berufungen aussprechen. Ich halte das für einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Das Gleiche gilt, wenn Universitäten eine aktive Personalpolitik betreiben, also nicht warten, wer sich auf eine freie Stelle von allein meldet. Rund die Hälfte der Professoren, die an die ETH kommen, werden von der Findungskommission nominiert und müssen sich nicht bewerben. Auch das ist in Deutschland nicht üblich. Dabei speist sich der Erfolg guter Universitäten zu 90 Prozent aus der Berufung ihrer Professoren.

ZEIT: Wie sichern Sie, dass die Professoren ihre Leistung auch dauerhaft bringen?

Osterwalder: Wir haben seit langem eine ausgeprägte Evaluationskultur an der ETH. Das beginnt bei der regelmäßigen Kritik der Vorlesungen durch die Studenten und geht weiter mit der Meinung der Absolventen, die wir ungefähr drei Jahre nach Studienabschluss einholen. Wir fragen dabei zum Beispiel, an welche Professoren sich die Ehemaligen erinnern, weil sie besonders gut oder schlecht waren, und teilen das den Professoren mit. Manche fragen bei mir nach und sagen: Sie haben vergessen, mir zu sagen, wie die Reaktion auf meine Person war. Dann sage ich: Ich habe Sie nicht vergessen, es gab keine Reaktion.

ZEIT: Wie reagieren Ihre Kollegen?

Osterwalder: Der größte Teil nimmt die Lehre ernst und ist über so eine Antwort unglücklich. Das dritte Element der Selbstkontrolle ist die Peer-Review. Die Fakultäten werden alle fünf Jahre von Wissenschaftlern außerhalb der Hochschule evaluiert. Eine Woche lang sprechen die Gutachter mit Professoren und dem akademischen Nachwuchs und geben Empfehlungen für die Zukunft.

ZEIT: Welche Rolle spielen die Studenten beim Streben nach Exzellenz?