Osterwalder: Ja, das schmerzt. Aber wir müssen eine Güterabwägung treffen. Von den besten Studierenden in der ganzen Welt spricht eben nur ein Bruchteil Deutsch. Zudem nützt es auch den Schweizer Studierenden, sich auf Englisch verständigen zu können.

ZEIT: Deutsche und Schweizer Universitäten sind nicht nur Konkurrenten, sondern können auch Partner sein, etwa gegenüber der amerikanischen Konkurrenz. Welche Chancen hat Europa gegen die US-Elitehochschulen?

Osterwalder: Unser Vorteil ist die kulturelle Vielfalt. Diesen Reichtum sollten wir viel mehr pflegen. Die ETH versucht dies, indem sie ihre Studiengänge mit denen von Delft, London und Aachen abgeglichen hat, damit Studenten nach dem Bachelor ohne Probleme dorthin wechseln können. Mit den Finanzreserven von Harvard und Yale dagegen werden weder deutsche noch Schweizer Hochschulen mithalten können.

ZEIT: Auch nicht, wenn sie sich zusammentun?

Osterwalder: Manchmal kann man Kräfte bündeln, um der Konkurrenz standzuhalten, etwa bei sehr teuren Berufungen. Wir haben einige Professoren gemeinsam mit der Uni Zürich berufen, obwohl wir durchaus Konkurrenten sind. Uns fällt die Kooperation jedoch relativ leicht, weil beide Hochschulen nicht um das gleiche Geld konkurrieren, wie es die Universitäten etwa in Berlin oder München tun. Die ETH wird vom Bund bezahlt, die Universität vom Kanton.

ZEIT: Ist die Struktur für Deutschland ein Modell?

Osterwalder: In der Schweiz ist die Sonderstellung der ETH ebenso historisch gewachsen wie die föderale Wissenschaftsstruktur in Deutschland, welche die Universitäten gleich behandelt. Ich glaube nicht, dass man daran nachträglich etwas ändern kann. Vielmehr erscheint mir der Weg der Exzellenzinitiative gut: keine Bundeshochschulen, aber ein im Wettbewerb vergebener Bundeszuschuss.