Mehr als 200 Jahre alt ist dieses Porzellangebiss (zwischen weißen Handschuhen), das Archäologen bei Grabungen auf dem Friedhof St. Pancreas in London gefunden haben. Beim Bau einer neuen Endstation für die Bahn des Kanaltunnels war der Sarg des Erzbischofs von Narbonne, Arthur Richard Dillon (1721 bis 1806), geöffnet worden. Das Gebiss war noch immer mit einer goldenen Klammer fest in seinem Kiefer verankert.

Die Forscher vermuten, dass der Geistliche die Prothese bei seinem Pariser Zahnarzt Nicholas de Chemant erworben hatte. Es war individuell für ihn gefertigt worden. Während der Französischen Revolution floh Dillon vor der Guillotine nach England. Dort starb er vor 200 Jahren. Die Archäologin Natasha Powers vom Londoner Museum sieht in der einzigartigen Arbeit einen Meilenstein in der Entwicklung der modernen Zahnmedizin. Solche Gebisse entstanden um 1770 aus einer Kombination neuer Materialien und Herstellungsverfahren. Der Fund, sagt Powers, beleuchte auch den ökonomischen und sozialen Wandel in der französischen Oberschicht zu jener Zeit. Die künstlichen Zähne des als Bonvivant bekannten Geistlichen waren links stark abgenutzt, durch einseitiges Kauen. Sie werden vom 6. bis 31. Oktober 2006 im Museum of London anlässlich des World Smile Day ausgestellt.