Nudeln? Hat jemand Nudeln gesagt? Welch altmodisches Wort! Es muss aus der Zeit stammen, als man Tat noch mit Th schrieb. Junge Menschen sagen heute Pasta.Ich habe sie noch kennen gelernt, die Nudeln genannten Teigwaren. Meistens waren es Makkaroni. Sie wurden von Rabenmüttern gern mit Béchamelsauce übergossen. Es gab nur eine noch sadistischere Methode, den häuslichen Frieden durch Nudeln zu zerstören: indem man Nudeln in Milch kochte und diese ultimative Ekelspeise den Kindern dann schmackhaft zu machen versuchte.

Merkwürdigerweise mögen mittlerweile auch Erwachsene Nudeln. Manche mögen sie, weil sie jetzt Pasta heißen, manche, weil sie billig sind, manche auch, weil man sie lutschen kann. In gewissen Kreisen wird Pasta selbst gemacht. Dafür gibt es praktische Maschinen und viele Rezepte. Was es aber auch gibt, sind Spaghetti und Bandnudeln aus Nudelfabriken, in vielen Variationen, die genauso schmecken wie auf dem Küchentisch handgemachte Pasta. Dass Letztere von den Handarbeitern trotzdem vorgezogen werden, ist verständlich. Schließlich schmecken auch die im eigenen Garten gezogenen Zucchini und Tomaten besser als die vom Biobauern. Glauben die Gartenbesitzer jedenfalls.

Ich bin sicher, dass es sich mit den Kartoffeln genauso verhält, die vor lauter Pasta-Mode ein wenig in Vergessenheit zu geraten drohen. Es ist alles eine Frage der Herkunft, des Bodens und der Pflege, die ein Kartoffelbauer seinen Feldfrüchten angedeihen lässt. Weinkenner sind mit diesem Problem vertraut. Sie haben dafür aus dem Französischen das Wort terroir übernommen.

So viel ist sicher: Man kann, muss aber nicht, seine Kartoffeln im eigenen Garten pflanzen und ernten. Die Vielfalt der Sorten hat wunderbarerweise zugenommen, die Biobewegung ist grenzüberschreitend, und so gibt es feine Sorten inzwischen auch in den Supermärkten.

Kartoffeln haben eines mit Nudeln gemeinsam: Die Armen müssen sich daran satt essen. Allerdings kann man mit Kartoffeln viel mehr anstellen als mit Nudeln. Diese sind nur variabel durch die Saucen, die man über sie gießt. Nudelpuffer dagegen, Nudelklöße oder Nudelpüree stehen in keinem Kochbuch. Kartoffelspeisen aber bilden eine eigene Welt innerhalb der Küche.

Vor fünf Jahren wäre es noch notwendig gewesen, an dieser Stelle die verschiedenen Kartoffelsorten aufzulisten. Das ist heute unmöglich: Es gibt zu viele. Die Rückkehr der Vielfalt durch individuelle Produktionen verdanken wir ursprünglich der Biobewegung (und den anspruchsvollen Konsumenten).

Für die meisten Arten der Kartoffelzubereitung eignen sich festkochende Sorten am besten. Mehlige Kartoffeln hatten ihre große Zeit, als die Deutschen noch Wert auf soßige Gerichte legten. Mit der kulinarischen Aufklärung ist diese Vorliebe erkaltet. Wir mögen unsere Kartoffeln klein und ungeteilt, vor allem wenn sie jung sind und ungeschält gegessen werden können.