Man hat ihm viel angedichtet, was stimmt oder auch nicht stimmt, vor allem nach seinem Tod. Wie das halt so geht mit denen, die zu plötzlich und zu früh abtreten, die nicht warten wollen oder können auf den Tag des Rentenbescheids. In der Tat fällt es schwer, ihn sich als in Ehren ergrauten Bürger vorzustellen. Dazu haftete ihm etwas zu Jungenhaftes, Ungezähmtes an, dazu lebte er ganz offensichtlich zu intensiv im Moment – vor allem wenn er auf der Bühne stand. Dann gab er alles, dann war er alles, Vater, Bruder und Geliebter, Poet und Prophet, Barde und Agitator, alles in einer Person. Ein jüngerer Kollege sagte posthum über ihn: "Ich habe noch nie jemanden (…) gehört oder gesehen, der so wie er in der Lage war, innerhalb von Sekunden eine (…) intime (…), eine Liebesbeziehung mit jedem einzelnen seiner Zuhörer aufzubauen."

Diese ganz besondere Fähigkeit besaß er schon als junger Mann. Bereits mit zwanzig Jahren war er berühmt, dabei ein typisches Kind seiner Zeit. Oder, um es konkreter zu sagen: Ohne die gesellschaftlichen Entwicklungen in jener Epoche, zehn, 15 Jahre davor oder danach wäre seine Karriere vermutlich ganz anders verlaufen. Seine Rolle war die des Helden, der zugleich Antiheld ist. Und diese Ambivalenz muss ihm bewusst gewesen sein. Vor allem später, als er individuelle Pfade ging (und damit erstmals auch recht gut verdiente), gab es einstige Weggefährten, die ihm das verübelten. Aber es gab auch genug, die ihn dafür verehrten, dass er einen oft steinigen Weg ging.

Angefangen hat er nach abgebrochener Schule und Lehre in irgendwelchen Hinterhöfen. Nichts Glamouröses, im Gegenteil, und doch umgab ihn die Aura eines Stars. Die verdankte er seiner "Rattenfängerstimme", wie einmal jemand schrieb, und seinen vielen künstlerischen Talenten. Denn er war ja nicht nur Interpret, sondern auch Dichter, Komponist, Musiker und Schauspieler. Das Klavier- und Gitarrespielen brachte sich der jüngste von drei Söhnen eines Werkzeugmachers, der sich zum Ingenieur hochgearbeitet hatte, selbst bei, fürs Cello nahm er Unterricht. Sein eigentliches Instrument aber war und blieb die irgendwie immer leicht verwaschen klingende Stimme. Noch einmal der bereits zitierte Kollege: "Er konnte ein bestimmtes Wort so singen, dass es einem kalt den Rücken runterlief."

Er selbst sah sich gern als Komponist von Volksliedern, Schlagern, Gassenhauern. Ihm gelangen Refrains, die sich im Gedächtnis festhakten und früher oder später zum geflügelten Wort wurden. "Kitsch mit Anspruch" sei das, hieß es. Daneben schrieb er aber auch leise, poetische Balladen über die Liebe und über das, was von ihr bleibt. Und darin entpuppte er sich als besessener Sprachjunkie. Oft drehte und wendete er die Zeilen so lange, bis sie einen Hinter- oder Mehrfachsinn ergaben. Einer seiner zwei Brüder hat später erzählt, wo manche dieser Texte entstanden – in der Badewanne, seinem "liebsten Ort".

Seinen Geburtsnamen hat er nie gemocht; er erinnere ihn an gewisse Hefte, sagte er und legte sich einen Künstlernamen zu, der zu ihm passte. Und dann gab es noch das Lied, dessen Titel auf skurrile Art zu einer Art Ehrentitel für ihn wurde. Kunst und Leben, alles eins, wohl auch dafür liebte ihn sein Publikum. "Wer nicht liebt, der wird zu Stein", schrieb er in einem Lied – und zu alldem passt denn auch, dass sein Grabstein die Form eines Herzens hat. Wer war’s?

Frauke Döhring

Auflösung aus Nr. 41:
Ein Werk Oscar-Claude Monets (1840 bis 1926) gab den Impressionisten ihren Spottnamen. Eine enge Freundschaft verband ihn mit Ministerpräsident Georges Clemenceau. Nach seinem Tod wurden seine "Seerosen" in der Pariser Orangerie der Öffentlichkeit übergeben