Beim "Sparkassen Chess Meeting" in Dortmund ist ein Schiedsrichter auf seinem Stuhl eingenickt. Davor ist ein Fußballschiedsrichter allein schon durch Bewegung gefeit, mag die Partie auch an "Rasenschach" erinnern.

Vor der Erfindung der Schachuhr, als die Akteure manchmal mehr als eine Stunde über einen Zug nachdachten, notierte einmal ein Protokollführer: "Schiedsrichter schläft." Natürlich ist derlei auch von Spielern bekannt, wieder dieser signifikante Unterschied zum offenbar viel unterhaltsameren Fußball. Kein Wunder, dass der Fußballpräsident Gerhard Mayer-Vorfelder meinte: "Falls ich mal nicht mehr emotional mitgehe, bemühe ich mich, Präsident des Deutschen Schachbunds zu werden." Welch ein Gewinn für die drögen Schachspieler!

In der Partie zwischen Michael Adams (England) und Boris Gelfand (Israel) schliefen indes weder Schiedsrichter noch Spieler, sicher gingen sie aber an die Grenze der Belastbarkeit. Nach 113 Zügen und siebeneinhalb Stunden höchster psycho-physischer Belastung mit Pulsspitzen ähnlich wie beim Fußball, verehrter Herr Mayer-Vorfelder, hatten beide die Diagrammstellung auf dem Brett.

Hier zog Gelfand als Schwarzer 113…Td1 und gab schließlich nach 114.f7 Tc1+ 115.Kd5 Td1+ 116.Ke6 Tf1 117.Se7 auf, die siegreiche Umwandlung eines der beiden Freibauern in eine neue Dame ist nicht mehr zu vereiteln (117…Te1+ 118.Kf6 Tf1+ 119.Sf5!). Doch mit einem schwer zu findenden Zug hätte er noch ein Remis erreichen können. Wie?

Helmut Pfleger