So Leute wie der Abgeordnete des Bayerischen Landtags Ernst Weidenbusch, die hören das Gras wachsen. Jenseits von Unterschleißheim und Oberschleißheim und Ottobrunn und Putzbrunn ist Weidenbusch einer breiten Öffentlichkeit wenig bekannt. Seine bislang herausragendste Tat war zweifellos die Stiftung des Ernst-Weidenbusch-Pokals für die örtlichen Freiwilligen Feuerwehren, um den diese nun notgedrungen jedes Jahr Fußball spielen müssen. Aber Weidenbusch, erst 43-jährig, ist Teil dessen, was Franz Josef Strauß einst das "Wurzelgeflecht" nannte, den nährenden Boden des Nachwuchses, in dem die CSU gründet, aus dem sie wächst und sich erneuert. Also sollte man auf Leute wie diesen Weidenbusch hören, wenn man an Bayern interessiert ist und an der CSU und am Chef vom Ganzen, Edmund Stoiber.

Vor knapp einem Jahr, im Januar, als es kalt war in Bayern und eisig in der CSU, hatte sich Weidenbusch im verschneiten Wildbad Kreuth vor seine Landtagskollegen gestellt und ihnen entgegengeschleudert, alle, die etwas gegen den Ministerpräsidenten vorzubringen hätten, sollten das doch bitte mal öffentlich tun. "Es hat sich keiner getraut", sagte er hinterher. Da lag Stoibers berlinisches Abenteuer – der Rückzug vom fest verabredeten Ministerposten in der Großen Koalition – gerade zwei Monate zurück. Im Rest der Republik mochte kaum einer für das politische Überleben Stoibers einen Pfifferling geben.

Aber in Bayern drehte sich der Wind schon wieder, und Weidenbusch hatte das gespürt. Vor kurzem nun konnte sich dieser Abgeordnete wieder im Kreis seiner Fraktion erheben und fröhlich feststellen, es sei, alles in allem, doch wirklich gut, dass der Ministerpräsident dem Bayernland erhalten geblieben und nicht nach Berlin gegangen sei. Darauf folgte zwar nicht unbedingt jubelnder Applaus, aber auch kein Murren. Und das genügt eigentlich schon für die Feststellung, dass Edmund Stoiber der große Überleber des zur Neige gehenden Jahres ist.

Man muss sich ja klarmachen, dass nicht einmal ein Jahr vergangen ist, seit Stoiber aus dem kühl-kalkulierenden Berlin heim ins animalisch-warme Bayern flüchtete und vom Kommunalpolitiker Jakob Kreidl poetisch gescholten wurde: "Der Wähler ist ein scheues Reh. Das hast du jetzt ins Dickicht gejagt", sich daraufhin vor der Landtagsfraktion "zur Sau" machen lassen musste, wie ein früherer Staatsminister formulierte, und am Ende selbst kleinlaut bekannte: "Ich leide wie ein Hund." Das ist Vergangenheit. Dem CSU-Parteitag in Augsburg am kommenden Wochenende kann Stoiber beruhigt entgegensehen: Zoologisch-deftig wird es da nicht zugehen. Mit einer sonderbaren Mischung aus Angst, Einsicht und Erleichterung hat die CSU diesen Edmund Stoiber ja wieder aufgenommen. Obwohl sie keine Liebe für ihn empfindet. Und nie empfand. Sagen alle. Aber Respekt. Vor seinem messerscharfen Verstand. Und seiner unbändigen Arbeitswut. Die hat ihn am politischen Leben gehalten.

Wie ein Berserker hatte er sich in den ersten Monaten nach seiner Flucht aus Berlin in die Rückeroberung der bayerischen Gebiete gestürzt, die kommunalen Ebenen durchwandert, sich von Bezirk zu Bezirk gekämpft und an der Basis die gut und schlecht gemeinten Ratschläge auf sich niederprasseln lassen, um dann am Ende festzustellen: "Die Basis will sich stärker in den politischen Prozess mit einbinden. Ich habe eine Vielzahl von Regionalkonferenzen besucht. Stundenlange Diskussionen habe ich dort geführt, da habe ich wirklich ein Gefühl für das bekommen, was die Basis bewegt, was sie empfindet – und vor allem: wie wir die große Bandbreite zusammenbinden können, die es in einer Volkspartei gibt. Die Stimmung in der Basis ist: Die Integrationskraft des Parteivorsitzenden ist mit Abstand die größte. Und Integration ist die Voraussetzung für fünfzig plus x."