Eigentlich habe ich immer nur geträumt. Denn als Schriftsteller, Dichter, Komponist – nennen Sie mich, wie Sie wollen –, als Künstler, da lebt man vom Träumen. Und so bin ich träumend durchs Leben gegangen, und einmal hab ich im Lied von der Wirklichkeit geschrieben:

In der Wirklichkeit gibt es Träume.
In der Wirklichkeit sind sie echt.
Wenn ich Träume hie und da versäume,
ist es nur, weil ich auch schlafen möcht’.

Natürlich träum ich vom Frieden. Im Nahen Osten zum Beispiel. Oder vom Ende des dummen Antisemitismus. Den gibt es seit 2000 Jahren, und jeder hält die Menschen, die vor 2000 Jahren gelebt haben, für rückständig. Aber es gibt ihn noch immer, den dummen Antisemitismus, und davon, dass die Menschen einmal gescheiter werden, können wir nur träumen.

Momentan träume ich davon, dass meine nächste Premiere ein Erfolg wird, mein Ein-Personen-Musical Adam Schaf hat Angst, das ich im Hamburger Schmidt-Theater inszeniere. Der Erfolg hängt von so vielen Faktoren ab: vom Darsteller, vom Theater, vom Publikum. Denn es ist doch so: Vor Publikum ist immer alles anders, als man es sich geträumt hat. Es gibt Pointen, die bei den Proben alle lustig finden. Und in der Aufführung lacht an der gleichen Stelle kein Mensch.

Ich träume davon, perfekt zu sein, wenn ich schreibe, komponiere, inszeniere. Ich bin nie zufrieden mit mir, weil ich einerseits weiß, wie diese Perfektion aussehen würde, und andererseits, dass sich dieser Traum von Perfektion nie erfüllen wird. Aber ich glaube, das geht jedem Künstler so, jedem wirklichen Künstler.

Mein größter Traum aber ist ein ganz konkreter. Er hat mich durch mein Leben begleitet. Ich habe ihn immer wieder geträumt, oft sehr intensiv und konkret, aber der Traum ist nicht in Erfüllung gegangen. Es ist der Traum von einem eigenen Theater.

Nicht, um dort selber aufzutreten. Ich trete nicht mehr auf. Ich will nicht mehr singen. Mit dem Liederschreiben und meinen Auftritten habe ich mir den Lebensunterhalt verdient – und gleichzeitig davon geträumt, Theaterstücke zu schreiben, Opern zu komponieren, zu inszenieren. Am liebsten fürs eigene Theater.