Eine singende Säge ist etwas Faszinierendes: Ein Musiker sitzt auf einem Hocker, in der einen Hand einen Geigenbogen, die andere am Sägeblatt (ob mit scharfen oder stumpfen Zähnen ist gleichgültig), er biegt es mit ausdrucksvollem Gesicht hin und her und sägt mit schwermütigem Katzenjammerton traurige alte Weisen. Seit 1927 gibt es eine elektronische Variante der Säge, erfunden von Leon Theremin, der bei der deutschen Premiere Lieder von Schubert präsentierte.

Ätherophon nannte er seine Erfindung und später Thereminovox. Es muss damals sehr eindrucksvoll gewesen sein, wie Theremin vor seinem Apparat stand und mit dirigierenden Bewegungen entlang zweier Stabantennen gestikulierte. Er erzeugte durch seine Bewegungen um es in der Sprache der Elektronikexperten auszudrücken einen Differenzton in einem hochfrequenten Schwingungskreis zweier abgestimmter Sender, von deren einem er als Kondensator wirkt. Das Gerät wird berührungsfrei gespielt, daher heißt die CD der Thereministinnen Lydia Kavina und Barbara Buchholz auch touch! dont touch!. Acht neue Kompositionen haben sie sich für das Theremin schreiben lassen, denn das in den zwanziger und dreißiger Jahren entstandene Repertoire ist schmal.

Theremin, Ondes Martenot und singende Säge haben eines gemeinsam: sie sind beschränkt. Sie sind einstimmig, obertonarm und klingen auf immergleiche Weise rund und weich und bringen stets das notorische Glissando (vulgo Jaulen oder Wimmern) hervor. Den besten Gebrauch von dem Gerät macht der Münchner Komponist Moritz Eggert, indem er mit dessen Assoziationen spielt. Sein Stück The Son of the Daughter of Dracula versus the Incredible Frankenstein Monster from Outer Space mehr an Titellänge geht nicht schüttelt Genreklischees zusammen, lässt die Seelen der Verdammten heulen und den Schrecken der Nacht galoppieren. Tatsächlich hatte das Instrument in seiner kurzen Geschichte eine tragende Rolle nur im Filmgeschäft, es wurde etwa für die Erkennungsmusik der Serie Raumschiff Enterprise und Horrorfilmeffekte benutzt. Eine Hommage mithin, aber keine große Musik.

Music for Theremin von Olga Bochihina, Caspar Johannes Walter, Juliane Klein, Moritz Eggert u. a. Lydia Kavina, Barbara Buchholz (Theremin) - Kammerensemble Neue Musik Berlin, Wergo/Schott 6679-2