Ich möchte Frau Gaschke entschieden widersprechen. Die zur besseren Integration der 1,5 Millionen Sorgenkinder empfohlene Dreifachtherapie setzt nur an Symptomen an und kann allenfalls zur Linderung, nicht aber zur Lösung des Problems beitragen. Eine Gesellschaft, die in erster Linie auf Ganztagsschulen und obligatorische Kindergartenjahre setzt, statt Familien in ihren originären Erziehungsaufgaben zu stärken (und die gesellschaftliche Wertschätzung hierfür zu erhöhen), schafft Anreize, dass diese Aufgaben von immer mehr Familien auf Dritte delegiert werden.

Volker Dorn, Berlin

Sonntagsreden und erbauliche Predigten sind genug gehalten worden.

Erziehung ist unsere politische Entscheidung, also Politik. Ohne den politischen Willen wird keine Erziehung die soziale Ungleichheit verändern. Es ist die erfolgreiche wohlfahrtsstaatliche Verringerung der sozialen Ungleichheit, die die Bildungschancen von der sozialen Herkunft entkoppelt. Viel Geld müsste also in die Früh- und Familienförderung der weniger Begünstigten gesteckt werden. Genommen werden müsste es von den Begünstigten. Wollen wir aber die nachfolgende soziale Mobilität, den regelmäßigen Auf- und Abstieg wirklich?

Möglich ist auch, die Lebensverhältnisse anzugleichen und auf teure kompensatorische Erziehung zu verzichten. Doch wollen wir diese Angleichung überhaupt? Oder reichen uns Almosen und Sozialpaten? In einer Gesellschaft der freien und gleichen Personen wird es immer soziale Ungleichheit geben. Ihre Gestaltung ist keine Frage der Erziehung, sondern der Gerechtigkeit, also politisch zu beantworten.

Dann wird unsere Erziehung wirken.

Dr. Berno Hoffmann, Berlin