Der Blick aus dem Fahrstuhlfenster offenbart, was im All einst los war: »200 Jahre lang hatten sich Satelliten verschiedener Form und Größe, hatten sich lose Schrauben und ganze Raumstationen in der Umlaufbahn angesammelt. Drei Viertel davon sind längst vergessener Weltraumschrott, der die Erde heute unterhalb der Turmspitze umkreist.« Der Müll aus der Steinzeit der Raumfahrt bedroht den Turm, in dem sich der Fahrstuhlschacht befindet: ein Aufzug, der im 22. Jahrhundert von der Erde aus direkt in den Weltraum führt. BILD In 36 000 Kilometern Höhe schwingt die Endstation durchs All.

So beschrieb 1979 der Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke das zukünftige Verkehrsmittel zur irdischen Umlaufbahn. Keine 30 Jahre nach Veröffentlichung des Romans Fahrstuhl zu den Sternen zeigt sich in der Wüste des US-Bundesstaates New Mexico, wie aus Fiction Science wird – wie weit die Tüftler mit dem Bau von Aufzügen ins All schon gekommen sind.

Ort des Geschehens ist der »Spaceport America«, der in Las Cruces gebaut wird, unweit der texanischen Grenze. Es handelt sich um das private Gegenstück zum Kennedy Space Center der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa in Florida. Auf dem diesjährigen X-Prize-Cup stellen tollkühne Männer fliegende Kisten vor, die dereinst für privates Verkehrsaufkommen im All sorgen sollen: Die Firma Tripoli aus Arizona schießt Höhenraketen fünf Kilometer weit in den Himmel und lässt sie an Fallschirmen zurückgleiten. Armadillo Aerospace präsentiert das Modell einer Mondlandefähre, die selbstständig aufsteigen und landen soll. BILD Nanoröhren (mitte) aus Kohlenstoff bilden den Trägerriemen des Lifts. Die Basisstation (unten) schwimmt nahe am Äquator im Meer. Sie ist am Boden verankert

Optisch im Mittelpunkt stehen jedoch die Space Elevator Games, so etwas wie die Weltmeisterschaften der Weltraumfahrstühle. Schon von weitem ist ein riesiger Kran zu erkennen. Mehr als 50 Meter hoch ragt sein Arm schräg nach oben. Von seiner Spitze senkt sich ein Gummiband senkrecht zum Boden. Prototypen von Weltraumfahrstühlen, die bislang nur aus einem Klettermodul, dem Climber, bestehen, sollen sich daran selbstständig nach oben hangeln – so schnell wie möglich.

Die fröhlichen Wettkämpfe im Wüstensand hat die X-Prize-Foundation ins Leben gerufen. Ziel: die private Raumfahrt auf Touren bringen. Einst setzte sie zehn Millionen Dollar für den ersten Raumfahrer aus, der es ohne staatliche Hilfe in den Orbit schafft. Mit Spaceship One holte sich Bert Rutan vor zwei Jahren diesen Scheck.

Das Wettrennen der Weltraumfahrstühle allerdings sponsert die Nasa. Sie verspürt selbst großes Interesse an einem Aufzug ins All und verspricht daher 400000 Dollar einem Team, dem es gelingt, mit einem maximal 25 Kilogramm schweren Climber mindestens 50 Meter hoch zu klettern. Der Mannschaft, deren Roboter in weniger als einer Minute das höchste Zusatzgewicht emportragen kann, gehört die Gewinnsumme.

14 Teams haben sich mit ihren Konstruktionen angemeldet. Sie tragen Namen wie Space Minors, Snow Star und Punkworks. Bis zum eigentlichen Wettbewerb am vergangenen Wochenende schafften es jedoch nur sechs Mannschaften – die übrigen schieden aus technischen oder logistischen Gründen vorzeitig aus. Entweder schaffte es ihr Gerät nicht durch den Zoll, bestand die praktischen Tests nicht oder verletzte die Wettbewerbsbedingungen.