Auch Suhrkamp ist gescheitert, kein neuer Lektor konnte Slavoj Zizek bändigen. Darauf hatte man doch ein wenig gehofft, als der slowenische Philosoph 2001 vom Passagen-Verlag nach Frankfurt wechselte. Mit seinem seither zweiten großen Buch, Parallaxe, muss man diese Hoffnung endgültig begraben. Zizek schreibt so wild wie eh und je, nach wie vor kocht er aus den Zutaten des deutsche Idealismus, des Marxismus und der Psychoanalyse (derjenigen Jacques Lacans) ein brausendes Gemisch von Thesen und Theorien. Nach wie vor erklärt er Hegel mit Marx-Brothers-Witzen und Karl Marx mit Stephen King. Nach wie vor nimmt sein Text 180-Grad-Kurven mit denkerischem Vollgas was einen schon mal aus der Bahn wirft, was aber auch, nach wie vor, ziemlich anregend ist. Unser Unbehagen an der Muslimin, schreibt Zizek etwa, die im Westen aus freien Stücken ein Kopftuch trägt, entsteht gerade durch die Freiheit ihrer Wahl: Da frei gewählt, ist das Tuch eben kein originäres Religionszeichen mehr, sondern Ausdruck eigensinniger Individualität