Sieht so eine Terroristin aus? Oder ist sie nicht doch eher die künftige Präsidentin eines freien Irans? Maryam Rajavi steht in ihrem geräumigen Amtszimmer vor einer großen Reliefkarte mitsamt der Nationalfahne Irans an der Wand und empfängt Besucher mit vollendeter Höflichkeit. Cremefarben wie das Gemach ist auch ihr Chanel-artiges Kostüm mit wadenlangem Rock und edlem Seidenkopftuch. Nur Frauen gibt sie die Hand, Männer bekommen ein huldvolles Kopfnicken. Obwohl sie perfekt Englisch und Französisch spricht, hält sie ihre Audienzen nur auf Persisch ab. Dabei wird sie umringt von einem Hofstaat aus Beratern, Sicherheitsleuten und Dolmetschern, die jede ihrer Gesten mit panischer Aufmerksamkeit verfolgen.

Für ihre Anhänger ist die 53 Jahre alte hochgewachsene Frau mit den großen Augen und dem abgeklärten Lächeln eine Göttin. Internationale Sicherheitsbehörden dagegen führten sie noch bis vor kurzem als Anführerin einer kriminellen Vereinigung. Denn Maryam Rajavi ist Kopf der iranischen Volksmudschahedin (heilige Volkskrieger), einer Kampforganisation, die weltweit immer wieder schwere Attentate gegen Botschaften und Konsulate der Teheraner Regierung verübt hat.

Der Amtssitz von Maryam Rajavi liegt hinter meterhohen Betonmauern in einer Art von Militärcamp, das man eher im irakisch-iranischen Grenzgebiet vermuten würde. Tatsächlich aber befindet sich das Hauptquartier der Volksmudschahedin mitten in Frankreich: in der beschaulichen Künstlerkolonie Auvers-sur-Oise, 40 Kilometer nordwestlich von Paris. Berühmt ist die grüne Idylle vor allem bei amerikanischen und japanischen Touristen, die das Städtchen auf der Suche nach Motiven durchstreifen, die van Gogh, Pissarro und Cézanne hier fanden. Nachdem die Volksmudschahedin in den achtziger Jahren vor der islamischen Revolution in Iran geflohen waren, haben sie ihr Exilhauptquartier mit Duldung der französischen Behörden in Auvers aufgeschlagen.

2003 war es mit der Toleranz erst einmal vorbei. EU und USA setzten die Volksmudschahedin vorübergehend auf ihre Liste der terroristischen Vereinigungen, und die französische Polizei veranstaltete in dem abgeschirmten Camp mit einem Dutzend Wohncontainern eine gründliche Razzia. Dabei wurden Frau Rajavi und 167 ihrer Anhänger vorübergehend festgenommen und mit einem Reise- und Kontaktverbot belegt. Seit Juni ist die Gruppe wieder rehabilitiert. Nun kämpft die Präsidentin darum, die acht Millionen Dollar sowie die Computer- und Satellitenanlagen zurückzuerhalten, die damals beschlagnahmt wurden. Denn sie will möglichst bald zum Marsch nach Teheran aufbrechen, um das Mullah-Regime zu stürzen.

Wir wollen einen Rechtsstaat mit freier Marktwirtschaft

Die Volksmudschahedin, die sich mittlerweile Nationaler iranischer Widerstandsrat nennen, verstehen sich als iranische Exilregierung mit Maryam Rajavi als Präsidentin. Sie verfügt über ein komplettes Schattenkabinett und beruft regelmäßig ihre 500 Abgeordneten aus aller Welt zu Sitzungen des provisorischen iranischen Parlamentes ein, um den großen Tag vorzubereiten: Nach der Befreiung Teherans von den Mullahs will der Widerstandsrat für maximal sechs Monate die politische Führung in Iran übernehmen, freie Wahlen organisieren und die Iraner entscheiden lassen, wer sie künftig regiert.

Es liegt etwas Verklärtes in Maryam Rajavis Blick, wenn sie mit breitem Redefluss ihre eher schmale Botschaft verkündet: Die Abstempelung ihrer Organisation als terroristische Vereinigung sei ein schändliches Manöver der westlichen Appeasement-Politik gegenüber den islamischen Fundamentalisten, und der einzige Weg zum Regimewechsel in Iran bestehe darin, ihrer Gruppe freie Hand zu lassen.