Zwar hat Poul Nyrup Rasmussen als Ministerpräsident von Dänemark den Umbau des Sozialstaates geprägt, von dem die dänische Wirtschaft heute profitiert. Aber so großzügig, wie bei Petra Pinzler dargestellt, geht es nun wiederum nicht zu im kleinen Dänemark. Wer arbeitslos wird, bekommt Arbeitslosengeld in der Höhe von etwa 90 Prozent des letzten Einkommens, heißt es. Jawohl, aber nur, wer früher einen Stundenlohn von bis zu 95 Kronen (zirka 13 Euro) hatte. So wenig verdient aber nur eine kleine Minderheit der Dänen. Selbst für ungelernte Arbeiter liegt der tarifliche Mindestlohn in den meisten Berufen höher - schon eine Hilfsarbeiterin in einer Krankenhausküche hat 100 bis 110 Kronen die Stunde und bekommt im Arbeitslosigkeitsfall keine 90 Prozent des letzten Einkommens mehr. Ich als C3-Professor käme auf keine 30 Prozent, der Fliesenleger, der mir gerade das Bad modernisiert, erst recht nicht, denn Bauhandwerker verdienen inzwischen besser als Akademiker weil Nyrup die Löhne im öffentlichen Dienst festfrieren ließ. Das taten zwar sein konservativer Vorgänger und sein neoliberaler Nachfolger sogar bei boomender Privatwirtschaft und rekordhohem Haushaltsüberschuss auch. Aber das ist eben das Problem: Dass die sozialdemokratische Politik unter Nyrup sich weniger von der der bürgerlichen Parteien unterschied als je zuvor weshalb die Wähler dann auch am Ende das bürgerlich-neoliberale Original vorzogen.

Wie in der Ausländerpolitik auch, wo Nyrup mit der Preisgabe traditionell sozialdemokratischer Werte wie Internationalismus und Solidarität den Weg für den Absturz Dänemarks in die nationalistischste, fremdenfeindlichste Ecke der europäischen Politik bereitete. Ob aber weitgehende Selbstaufgabe die Sozialdemokratie rettet und noch dazu als europaweites Modell taugt, darf man als äußerst fraglich ansehen.

Therkel Straede Prof. für Zeitgeschichte Universität Süddänemark, Odense