Die Art Cologne ist vergangene Woche vierzig Jahre alt geworden. Eigentlich kein Alter, doch in jüngster Zeit bekam die Mutter aller Kunstmessen Probleme sie hat inzwischen viel zu viele erfolgreiche Töchter, in Basel, London und vielen weiteren Städten. Wie kann Köln mit der jungen Konkurrenz mithalten? Den Status quo zu zementieren reiche nicht mehr aus, stellte auch Gérard A. Goodrow fest, der Art-Cologne-Direktor, und versucht nun die Besucher mit Programmen zu locken, die mit klingenden Namen wie New Talents, New Contemporaries oder gar Hidden Treasures als eine Art subtile Anlageberatung funktionieren sollen. Ambitionierter geriet der so genannte Open Space, eine von der Agentur Neumann Luz initiierte Gruppenverkaufsausstellung, die zum zweiten Mal und noch üppiger als zuvor auf der Messe gezeigt wurde.

Ausstellungen auf Kunstmessen eine an sich etwas widersprüchliche Idee, doch mittlerweile allgemein beliebt. Sie kommen wie museale Ausstellungen daher, sind in Wahrheit jedoch Galeriekojen ohne Wände.

Am Open Space überzeugt im Vergleich zu Konkurrenten wie der Art Unlimited (Art Basel) oder dem Big City Lab (Art Forum Berlin) die unverhohlene Integration in den Messebetrieb. Im Zentrum der Halle 4 gelegen und nur durch einen Farbwechsel des Bodens markiert, gehen die herkömmlichen Messestände und der offene Ausstellungsraum fließend ineinander über. Unversehens wandelt der Besucher auf weißem Teppich in der lässigen Architektur von Meyer Voggenreiter, zwischen kubischen Sitzmöbeln, einer Gastronomiezone und natürlich vielen Kunstwerken.

Bei deren Auswahl vermied man (anders als beim Berliner Pendant) den Begriff der Kuratierung, man sprach sogar von der Gefahr der kuratorischen Attitüde.

Im Gegensatz zur architektonischen Transparenz, die zu interessanten Bezügen der Arbeiten untereinander führte, entzog sich die Auswahl der teilnehmenden Galerien und Künstler wie üblich der öffentlichen Kontrolle: Eine Vorentscheidung trafen der Galerist Christian Nagel und der Architekt Meyer Voggenreiter, die offizielle hochkarätige Jury, zu der auch Daniel Buchholz, Bärbel Grässlin und Friedrich Petzel gehörten, wurde so demontiert. Am Ende waren 39 überwiegend deutsche Galerien im Open Space vertreten, eine Mischung aus alten Bekannten wie David Zwirner und (noch) weitgehend unbekannten Kollegen. Ähnlich verhielt es sich auch mit den Künstlern, da waren große Namen wie Franz West, Kai Althoff und Via Lewandowsky vertreten, doch auch Neues wie etwa die skurrilen Fotoarbeiten von Jürgen von Dückerhoff gab es zu entdecken.

Wer sich von der Abschaffung der Messestandwände erhofft hatte, endlich einmal Zeuge einer Scheckübergabe zu werden, sah sich enttäuscht. Diese geheimnisvollen Handlungen fanden wie gewohnt im Verborgenen statt, in eigens zu diesem Zweck eingerichteten Kojen, den Sell Cells. Die Zellen sollten die Lust am Zahlungsverkehr zusätzlich stimulieren: In ihnen, so hofften die Organisatoren, werde eine ganz neue und aufregende Handlungsebene zwischen Galeristen und Kunden geschaffen. Dafür waren die zwar erstaunlich geräumigen, aus MDF-Platten zusammengeschraubten Kammern aber vielleicht etwas zu karg eingerichtet mit einem Blechschrank nämlich.

Als Experiment mit den Präsentationsformen einer Kunstmesse ist der Open Space aus Besuchersicht eine geglückte Operation man kann sich hier der Kunst besser als auf regulären Messen widmen, fast wie in einem Museum. Allerdings förderte das nicht unbedingt den Umsatz. In den Sell Cells herrschte diesmal noch wenig Betrieb.