Am Kleinbahnhof Lübeck-St. Jürgen beginnt einer der wenigen Pfade zur deutschen Spitzenforschung. Einige hundert Meter den Mönkhofer Weg entlang, und vor der Schranke zum Campus müssen Sie rechts zu dem langen Gebäude gehen, hatte Jan Born den Weg in sein Reich am Telefon beschrieben, Haus 23A.

Haus 23A ist eine niedrige graue Holzbaracke am Rande des Geländes der Medizinischen Universität zu Lübeck. An der verglasten Eingangstür ein Schild: Achtung Schlaflabor. Tür bitte leise schließen. Die letzte Hürde ins Büro des Professors ist genommen, wenn man links unter den Jacken am Garderobenständer durchgetaucht ist. Ich hol mal Kaffee, sagt Born und schlängelt sich auf diesem Weg wieder hinaus. Die Sekretärin hat heute frei.

Ein riesiger Aktenschrank auf der einen Seite des großen, hellblau getünchten Raumes, auf dem Schreibtisch in dessen Mitte Stapel von Papieren, in der Ecke eine riesige Grünpflanze mit fleischigen Blättern: Ein Faible für innenarchitektonische Raffinesse hat Jan Born offenkundig nicht. Ihn drängt es vielmehr nach Erkenntnis. Er ist der Direktor des Instituts für Neuroendokrinologie der Universität zu Lübeck, und sein Büro hat er, um zu arbeiten.

Wenn der Tiefschlaf fehlt, leidet die Erinnerung

Hier will er mit seinen 15 Mitarbeitern eines der ganz großen Geheimnisse des Menschen enträtseln helfen: Wie funktioniert das Gedächtnis? Was geschieht beim Lernen, und wie bleibt, was gelernt wurde, im Gehirn? Es gibt kein Bewusstsein ohne Gedächtnis. Ohne Erinnerungsfähigkeit zersplittert es in lauter Momente.

Seit Jahren untersucht er die Rolle des Schlafs bei der Gedächtnisbildung. Dass Schlaf wichtig ist, wenn das Gehirn zuvor Gelerntes im Gedächtnis verankert, wissen die Hirnforscher aus Experimenten mit Versuchstieren und auch mit menschlichen Probanden.

Ein wichtiger Teil der Gedächtnisbildung findet offenbar während der Tiefschlafphasen statt. Was etwa das Gehirn von Medizinstudenten am Tag an Fakten, Zahlen oder Begriffen aufgenommen hat, wird zunächst im Hippocampus zwischengespeichert. Im Schlaf übt das Hirn das Gelernte gleichsam weiter und verlagert die Gedächtnisinhalte dabei in feste Erinnerungsspeicher im Neokortex. Während dieser Schlafphase sendet es langsam oszillierende elektrische Signale aus, die so genannten Deltawellen.