Kaputte Heizungen, fristlose Kündigungen, dreiste Mieterhöhungen vier Wände bieten reichlich Stoff für Streit mit dem Vermieter. Oft suchen die Betroffenen Rat und Beistand bei Mietervereinen, die als preiswerte und unbürokratische Anlaufstelle gelten. Doch das Image hat Schaden genommen. Natürlich gibt es schwarze Schafe. Manche wittern schnelles Geld mit positiv besetzten Begriffen, gibt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund (DMB) zu, der größten Interessenvertretung für Mieter in Deutschland.

Verantwortlich ist ein nie dagewesener Wildwuchs an Beratungsstellen, Schutzverbänden und -vereinen. Allein im DMB sind 330 verschiedene Vereine organisiert, dazu kommen Hunderte eigenständige Berater. Die drastische Zunahme hat auch mit der Anwaltsschwemme zu tun: Nach Angaben des Deutschen Anwaltvereins stieg die Zahl der zugelassenen Rechtsanwälte in den vergangenen zehn Jahren von 79000 auf knapp 140000. Etliche ansonsten von der Arbeitslosigkeit bedrohte Juristen kommen im Graubereich der Rechtsberatung durch Vereine oder ähnliche Anbieter unter.

Dort hoffen sie auf neue Klienten. Seit 2002 sind mehr als die Hälfte der Neumitglieder einem Schutzverein nur deshalb beigetreten, weil sie einen aktuellen Streitfall mit ihrem Vermieter lösen wollen, ergab eine Umfrage des DMB. Andere nannten die Vorsorge für den Konfliktfall häufig als Begründung.

Das Problem: Bei einzelnen Streitigkeiten ist ein Mieterverein nicht immer eine günstige Wahl. Wer sich etwa mit seinem Vermieter um die Rückzahlung einer Kaution von 1200 Euro streitet, müsste einem niedergelassenen Rechtsanwalt laut Gebührenordnung 110,50 Euro für dessen außergerichtliche Tätigkeit zahlen. Seit Juli 2006 sind Anwaltsgebühren zudem verhandelbar - denkbar wäre folglich auch ein niedrigeres Honorar. Die Jahresbeiträge der Mietervereine reichen dagegen von 40 bis 80 Euro, wobei in der Regel eine Mindestmitgliedschaft von zwei Jahren vereinbart werden muss.

Da Anwälte gemeinhin als teuer gelten, lassen sich mit vermeintlich billigem Rechtsrat gute Geschäfte machen, sagt Ulrich Schellenberg, Vorstand beim Anwaltverein. Er sieht darin ein grundsätzliches Problem, nicht nur in Mietfragen. Dabei ist wegen des Konkurrenzdrucks innerhalb der juristischen Zunft erste Hilfe am Telefon manchmal sogar kostenlos. Einige lassen sich den Fall kurz schildern, um Auskunft über Erfolgsaussichten und Kosten geben zu können. Dann kann der Anrufer eine Entscheidung treffen. Der Deutsche Mieterbund betreibt zwar auch eine bundesweite Hotline für kurze Fragen, doch die kostet den Anrufer zwei Euro pro Minute. Persönliche Beratung in der Niederlassung gibt es meistens nur gegen Mitgliedschaft.

Verbraucherschützer beurteilen vor allem die oft mehrjährige Dauer skeptisch. Die Mitgliedschaft sollte man nach einem Jahr wieder kündigen können. Dies entspricht den Fristen, die etwa für Rechtsschutzversicherungen gelten, heißt es beim Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin. Manche Mietervereine akzeptieren gar die Kündigung nur zu einem bestimmten Stichtag, etwa drei Monate vor dem Ende der Laufzeit. Wird dieser Termin versäumt, verlängert sich die Mitgliedschaft automatisch um ein weiteres Jahr. Solche Sonderregelungen verbergen sich überdies oft im Kleingedruckten der Vereinssatzung und sind für die Mitglieder manchmal ebenso lästig und teuer wie der Streit mit dem Vermieter selbst.

Dass es für Mieter nicht immer einfach ist, die richtigen Helfer zu finden, räumt auch Ropertz vom DMB ein. Zumal sich die Klientel verändert: Bislang sind fast 40 Prozent der organisierten Mieter Rentner, für die Mitgliedsbeiträge ebenso zur Gewohnheit geworden sind wie die Gebühren der GEZ. Die Jüngeren haben ein stärker ausgeprägtes Dienstleistungsbewusstsein, und darauf versuchen wir uns einzustellen, sagt Ropertz. Um die Beratungsqualität zu verbessern, biete man regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen an und versuche herauszufinden, welche Erwartungen Mieter an die Vereine hätten.