Der kleine Laden hat schon wieder einen neuen Pächter. Niemand hält sich besonders lang an dieser Berliner Straße, die wie jede deutsche Einkaufsstraße in ihren Schaufenstern auch den Blick freigibt auf die Finanz- und Seelenlage der Nation. Zuletzt hatte sich hinter der Scheibe eine Frau mit Second Hand versucht, nun sitzt da ein Edelmetallhändler an einem leeren Schreibtisch, draußen auf dem novembernassen Gehsteig sein Aufsteller mit dem Ausruf: Zahngold ist Bargeld!

Irritierend forsch klingt das, Körper wird Kapital. Ein wenig geschichtsvergessen ist er noch dazu, dieser gewollte Zugriff auf, nein: in die Privatsphäre der Passanten.

Nun ist bei Gebissrenovierungen schon immer Gold geschürft worden, im Internet drängen sich die Ankäufer von jedermanns Goldreserven.

Früher, erzählt einer von ihnen, schickten meist Zahnärzte die Füllungen ein, jetzt tun das die Menschen immer öfter selber. Rund zehn Euro bringe ein Gramm der üblichen Legierung, und es gebe Münder mit 50 Gramm, sagt er noch. Macht 500 Euro. Wer wollte das nicht für sich behalten? Zahngold ist Bargeld! Einerseits. Andererseits: Als Verlockung am Straßenrand bedrückt es, wird zum kalten Spiel mit einer Armut, die manchem langsam an die Substanz geht. Das Tafelsilber ist ja schon verkauft.