Im Zusammenhang mit der Absage eines Vortrages des britischen Historikers Tony Judt durch das polnische Generalkonsulat in New York bemerken Sie, dass der Kampf gegen Antisemitismus wichtiger denn je sei, und implizieren so, dass die von Judt vertretene Idee eines einzigen Staates, in dem Israel und Palästina zusammenleben, antisemitisch sein könnte.

Von einem westlichen Standpunkt aus sind aber ethnisch begründete kleine Nationalstaaten (heißen sie nun Israel oder Palästina), die sich voreinander mit militärischen Mitteln und Mauern schützen müssen, tatsächlich anachronistisch, und es ist schwer zu sehen, wie sie langfristig überleben wollen. Die Idee eines einzigen Landes, in welchem Juden und Araber zusammenleben, mag angesichts des heute vorhandenen Gewaltpotenzials utopisch wirken, sie ist aber aufgrund der historischen, geografischen und wirtschaftlichen Situation wesentlich realistischer als die Idee von zwei friedlich zusammenlebenden Ländern, die sich hermetisch gegeneinander abschirmen.

Utopien können manchmal ganz schnell Wirklichkeit werden - zwischen Oradour und den Römischen Verträgen liegen nur 12 Jahre.

Hans Hegetschweiler Hedingen, Schweiz