Das Menetekel ist eine Palme, gesprüht auf die Tür eines Geländewagens. Ein Eisernes Kreuz ziert die Mitte ihres dünnen Stämmleins. Der Jeep gehört angeblich zu einem Trupp des Kommandos Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr. Die, so berichtet der stern, zeigten mit dem Signet eine gewisse Affinität zu Hitlers Afrika-Korps. »Ein paar unserer Jungs sind Ewiggestrige«, erklärt ein anonymer KSK-Mann das Zustandekommen der »Wehrmachtsinsignie«. Soldaten der Spezialeinheit "Division Spezielle Operationen" seilen sich über Regensburg ab. Die Schwerpunktaufgabe der Soldaten ist das Evakuieren bedrohter Bundesbürger unter akuter Bedrohung. BILD

Erst der Skelett-Fetischismus deutscher Isaf-Jünglinge und jetzt zweifelhafte Traditionsanleihen. Ob der Vorwurf der NS-Symbolik nun stimmt oder nicht – im Bundestag macht sich das mulmige Gefühl breit, die Elitesoldaten des KSK könnten alles andere sein als Musterknaben in Uniform. Die morbiden Schädel-Spielchen der deutschen Aufbausoldaten in Nordafghanistan mag man mit einer verhängnisvollen Mischung aus Langeweile und Todesangst erklären. Dagegen bewegen sich die Männer des KSK tatsächlich auf Schlachtfeldern. Unter dem Mandat der Operation »Enduring Freedom« jagen sie im Süden des Landes gemeinsam mit amerikanischen Spezialtruppen seit fünf Jahren Taliban und al-Qaida-Terroristen. Was diese Erfahrungen aus den Soldaten gemacht haben, welcher Korpsgeist sich in ihren hermetischen Zirkeln möglicherweise entwickelt hat, das weiß bisher niemand. Ob ewiggestrige oder bloß ewiggestresste KSK-Soldaten, im ungünstigsten Ernstfall dürfte das allerdings kaum einen Unterscheid machen.

Familienväter werden besonders gerne genommen

»Es soll Leute geben, die erst im Krieg feststellen, dass es Spaß macht, Menschen zu töten.« Das sagt ein Bundeswehroffizier, der an der Aufstellung der ersten KSK-Kompanien beteiligt war. »Das KSK operiert in einer Grauzone sondergleichen. So etwas kann sich verselbstständigen«, warnt er. »Uns fehlt der Einblick, welche Subkulturen sich da entwickeln«, mahnt der grüne Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei. Kein Wunder. Als die Kommando-Truppe 1996 aus der Taufe gehoben wurde, hat es die Politik schlicht versäumt, für eine ordentliche parlamentarische Aufsicht und Kontrolle zu sorgen. Dabei zeigen Erfahrungen mit anderen »Elite«-Verbänden, dass sie durchaus dazu neigen, sich zu einer Truppe in der Truppe zu entwickeln.

Dem KSK fehlt zudem eine Tradition, die einen Ehrenkodex diktieren könnte. Und der ist besonders wichtig, wenn in abgeschotteten Krisenmissionen jede juristische Kontrolle des Handelns fehlt.

Als am 16. November 2001 die Bundestagsabgeordneten ihre Hände hoben, um Amerika Beistand zu gewähren in seiner Schlacht am Hindukusch, da ahnten wohl die wenigsten der Parlamentarier, dass sie die Soldaten des jungen KSK gerade in den längsten und vermutlich schmutzigsten Geheimkrieg schickten, an dem sich die Bundespolitik je beteiligt hat. Guantánamo und Abu Ghraib, das gab es noch nicht. Was es gab, waren die rauchenden Trümmer des World Trade Center und TV-Bilder eines gewissen Osama bin Laden. Mit dem KSK stellte der Bundestag der US-Armee damals Deutschlands kleine Geisterarmee zur Seite – eine Truppe, die als viel zu scheu, geheim und abgeschottet galt, als dass irgendwelche Details über ihre Operationen erwartet werden durften. Über die etwa 250 Kommandosoldaten aus Calw im Schwarzwald heißt es, sie dürften nicht einmal ihren Ehefrauen erzählen, wo sie gerade eingesetzt seien. Wer will da schon indiskret werden und Fragen stellen?

Wahrscheinlich wäre es noch eine ganze Weile bei diesem treuherzigen Desinteresse der Volksvertreter geblieben, hätte nicht kürzlich ein gewisser Murat Kurnaz die Bemerkung fallen gelassen, KSK-Soldaten hätten ihn 2002 in einem Knast in Kandahar an den Haaren gerissen und derbe zusammengestaucht, kurz bevor US-Soldaten ihn nach Guantánamo verfrachteten.