Jetzt hat sich auch Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), für höhere Löhne in Deutschland ausgesprochen wenn auch nur indirekt und im Ökonomenlatein. Die Lohnzuwächse, sagte er in seiner einleitenden Erklärung zur Monatspressekonferenz, sollten in der Regel vom Trend des Arbeitsproduktivitätswachstums geleitet werden. Entschlüsselt lautet diese Botschaft: In Ländern wie Italien und Spanien steigen die Löhne zu rasch, in Deutschland zu langsam. Pikanterweise folgt der Präsident da seinem italienischen Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi. Der hatte im Januar in einem Interview mit der ZEIT gefordert, die deutschen Löhne sollten im Einklang mit dem Produktivitätswachstum steigen. Dahinter bleibt der Durchschnitt der deutschen Löhne aber schon seit Jahren zurück. Im Februar kanzelte Trichet seinen Direktor noch ab: Nein, er spricht nicht für das Direktorium, sagte er.

Interessant ist übrigens, dass Trichets Satz gar nicht aus Trichets Feder stammt, sondern von seinem deutschen Chefvolkswirt. Denn es ist der neue EZB-Direktor Jürgen Stark, der die einleitende Erklärung zu den Pressekonferenzen des Präsidenten formuliert.