Ans Ende der Welt zieht es Horst A. Friedrichs seit zwölf Jahren. Die Einsamkeit der Wüstenbewohner, die an Venezuelas Grenze zu Kolumbien der Erde dürre Ernten abringen, hat der deutsche Fotograf in magischen Bildern verewigt. Am Zwiebelfeld posiert die 100-jährige Doña Ruperta (unser Bild) mit entrücktem Blick und knorrigen Händen. Die Zeit hat sich in ihr Gesicht gegraben wie in die Borke des Yababaumes. Tausende Arbeitstage lasten auf der Brust des Witwers Pajita, die sich nach innen wölbt, als suche sie Schutz in den Eingeweiden. Und Diego Crespo – starr wie der Stock, auf den er sich stützt – hört nicht auf, im ausgetrockneten Flussbett Steine zu bergen und ihr Geheimnis zu erforschen, seit seine Frau nach einem Schlaganfall sprachlos geworden ist. 25 ausgewählte Exponate aus Friedrichs Porträtsammlung der Schicksalsgeprüften sind nun in der Hamburger Galerie Multiple Box ausgehängt, während der Bildband Doña Maria und ihre Träume das melancholische Meisterwerk des Fotografen in ganzer Fülle dokumentiert. Darin sind auch die Texte der venezolanischen Autorin Elisabetta Balasso nachzulesen – poetische Personalien einer aufmerksamen Beobachterin, die ihre Landsleute an der Grenze so behutsam beschreibt, dass sich die Würde der Lebensgeschichten herauskristallisiert. CS

Horst A. Friedrichs: »Doña Maria und ihre Träume«, bis 10.12., Multiple Box, Admiralitätstr. 71/72, Hamburg, Di–Fr 11–19 Uhr, Sa 11–16 Uhr, Eintritt frei. Auskunft: Tel. 040/37517510, www.multiple-box.de . Der Fotoband ist erschienen bei Frederking & Thaler Verlag, München 2006; 192 S., 75 €