Das Fernsehen hatte man sich ja weitgehend abgewöhnt, bis auf die politischen Sendungen. Dort allerdings tritt jetzt jeden Abend Gerhard Schröder auf. Ohne vom Puzzle aufzublicken, summt der versammelte Familienchor pünktlich um 20.18 Uhr mit: Die ersten Monate, sie waren nicht ganz einfach Dann zappt Papa, und Herr von Klaeden wird neuer Schatzmeister der CDU. Zum Trost sehen alle einer geruuuhsamen Nacht entgegen. Das wollte Herr Wickert stets, und seine Kollegen, die sich in den Polit-Talkshows abrackern, danken ihm für diese selbst erfüllte Prophezeiung sehr.

Das Hauptproblem der Großen Koalition besteht darin, dass sie für den Journalismus einfach zu langsam ist. Sublimer Dauerzwist auf Mikroebene ist nämlich nicht darstellbar, so wenig, wie man eine Wissenschaftsshow nur mit kosmischem Grundrauschen bestreiten kann. Da muss es puff und peng machen. Reporter vorm Kanzleramt lächeln in diesen Tagen gequält, das ist ein Zeichen der Angst und der Traurigkeit. Wenn der Journalist wirklich etwas hasst, dann einen wie Herbstkälte aufziehenden Horror Vacui. Der Versuch des Christdemokraten Jürgen Rüttgers, sich links an der SPD vorbeizuschummeln, während sich die beiden ostdeutschen Sozialdemokraten Platzeck und Bullerjahn rechts an der linksgewendeten Union entlangreiben, mag ein Motiv für die niederländische Genremalerei sein, ergibt aber kein Fernsehfeature. Was die Große Koalition treibt, ist, journalistisch gesehen, Manöver in Gelatine.

Fortschritte dagegen, richtig Tempo, macht währenddessen und kaum bemerkt der deutsche Überwachungsstaat. Die FAZ beschwert sich bitterlich, Verteidigungsminister Jung habe kürzlich in Beirut den Minibarkonsum mitreisender Journalisten kontrollieren lassen. Und zwar morgens um sechs, wenn der Journalist noch nicht mal die letzte Dose hat zischen lassen. Übertölpeln lässt sich der deutsche Reporter auch nicht gern. Die Rache der vierten Gewalt wird schrecklich sein. Wenn bei uns erst mal der Kasache kommentiert.