Er war ein Familienmensch, im Beruf wie privat. Einer, der seine Seelengefährten sorgsam wählte, um sie dann in seiner Nähe zu behalten. So führte er 47 Jahre lang eine harmonische Ehe, bis zu seinem Tod. Und auch beruflich blieb er treu. Rief in mal kurzen, mal langen Abständen seine Wahlverwandten zu sich, um dann mit ihnen einen seiner Filme zu drehen, deren Handschrift mit den Jahren immer unverwechselbarer wurde.

Das lag an der zunehmend kammerspielartigen Form und auch an seinem Grundthema, das er variierte. »Ich will von Gefühlen erzählen, die man ausdrücken, aber nicht erklären kann«, sagte er. Also zeigte er in ausgefeilten, dabei oft fast beiläufigen Szenen, wie Männer und Frauen aufeinander zu- und voneinander weggehen. Vor allem: wie sie einander verpassen, häufig, ohne es zu wollen. Nur ein paar Blicke, Worte, Gesten – sie genügten ihm, um einen ganzen Kosmos von Lebensgeschichten in einer einzigen Szene aufblitzen zu lassen.

Am Ende waren so gerade mal dreizehn Filme entstanden, eher wenig für gut vierzig Jahre. Aber er ließ sich eben Zeit, überstürzte nichts. Das merkt man den Resultaten bis heute an: Sie wirken stimmig in jedem Detail, ihren dem Alltag abgelauschten Dialogen, der Atmosphäre, der Musik – er hatte früher Jazzkritiken geschrieben – und der Zeichnung der Figuren.

»Endlich mal kein Tyrann« – so charakterisierte ihn seine Lieblingsschauspielerin, mit der er in zehn Jahren fünfmal drehte. Es war seine produktivste Phase, und beide profitierten davon: Ihm glückte mit ihr ein Erfolg nach dem anderen, darunter zwei Klassiker; sie reifte dank ihm zur Charakterdarstellerin, die sich ihre Hauptrollen aussuchen konnte. Doch kein anderer setzte sie so stark und zugleich verletzlich in Szene wie er, so sinnlich und hinreißend. »Sie verträgt keine Mittelmäßigkeit und nicht das Versiechen der Gefühle«, sagte er über sie und dass ihr Gesicht mit den Jahren immer schöner werde.

Als sie starb, brauchte er eine Pause. Es dauerte Jahre bis zu seinem nächsten Film; Jahre, bis er eine, dann eine zweite Schauspielerin fand, mit denen er wieder so intensiv arbeiten konnte wie mit ihr. Vermutlich hatte die zwei eine Art Vater-Tochter-Beziehung verbunden und nicht, wie man munkelte, ein Liebesverhältnis. Jedenfalls sagte er nach ihrem Tod, dass sie oft wie ein kleines Kind gewesen sei: »Damit sie sich sicher fühlen konnte, brauchte sie eine Menge Liebesbeweise.«

Doch auch bei der Auswahl der männlichen Darsteller wählte er Kontinuität. Jeder der drei, die er bevorzugte, galt eine Zeit lang als sein Alter Ego. Erneut zeigte sich hier sein Faible für Wahl- und Seelenverwandtschaften. Und für bestimmte, ihm und bald auch dem Publikum vertraute Gesichter und Charaktere.

Es war verblüffend: Verließ man das Kino am Ende seines Films, kam es einem irgendwie so vor, als ob man eine Runde lieb gewonnener Freunde zurückließ, mit denen man einige Tage verbracht hatte – und die man hoffte, bald wieder zu besuchen. Auf die Frage, wie er, der Industriellensohn, zum Kino gefunden habe, antwortete er: »Weil es sich aus den Zufällen des Lebens so ergeben hat, dass Filmemachen für mich das einzige Mittel wurde, mit den anderen zu kommunizieren.« Ein Zufall mag gewesen sein, dass er in einer Nation lebte, die das Cinema liebt. Doch dass er der landestypischste aller Regisseure geworden war, wie es hieß – das verdankte er seiner leisen, prägnanten Kunst.