Nach den Ausschreitungen in Fußballstadien hat der DFB reagiert. In den kommenden Wochen soll eine Task-Force bis in die unteren Ligen hinein früher über vermeintliche Problemspiele informieren.

DIE ZEIT: Herr Zwanziger, musste es erst zu den Übergriffen kommen, um den DFB zum Handeln zu bewegen?

Theo Zwanziger: Wir sind seit Jahren in engem Kontakt mit den Vereinen über alle Ligen hinweg. Durch Fan-Projekte, Fan-Beauftrage und viele andere Maßnahmen ist es uns über viele Jahre gelungen, die Gewalt in den Stadien wirkungsvoll zu bekämpfen.

ZEIT: Das Einsetzen Ihrer Task-Force, die Berufung eines Sicherheits- und einer Integrationsbeauftragten wären ohne die Ereignisse der vergangenen Wochen nicht zustande gekommen.

Zwanziger: Es hat dieser schlimmen Vorfälle nicht bedurft, um uns zum Handeln zu bewegen. Die Ereignisse haben jedoch dazu geführt, dass wir schneller und entschiedener zu Werke gehen – auch um nicht noch einmal von einer solchen Serie von Gewalttaten an einem Wochenende überrascht zu werden.

ZEIT: Sowohl in der Prävention als auch bei möglicher Bestrafung vor allem rechtsextrem motivierter Gewalt verweisen Sie auf den "pädagogischen Aspekt". Können sich die potenziellen Randalierer auf eine Art Grundkurs in politischer Bildung einstellen?

Zwanziger: Über allem steht die Würde des Menschen. Hier müssen wir, so traurig das ist, offenbar noch Überzeugungsarbeit leisten: Wo beginnt die Würde, und wo endet sie?

ZEIT: Sie glauben, Sie können den Fans die Geschichte des Nationalsozialismus näher bringen?

Zwanziger: Wer hinter Hakenkreuz-Flaggen herläuft oder judenfeindliche Parolen verwendet, der sollte wissen, für welch unfassbares Unheil und welche Menschenverachtung diese Symbole stehen. Ich fürchte, dass das vielen, die sie verwenden, nicht wirklich klar ist. Da für Aufklärung zu sorgen und damit auf die besondere Verantwortung, die wir Deutsche haben, engagiert hinzuweisen – das sehe ich in der Tat auch als unsere Aufgabe.

ZEIT: Gibt es Anzeichen dafür, dass rechtsextreme Gruppierungen oder Parteien gezielt versuchen, über die Fans ihr Gedankengut in die Öffentlichkeit zu schleusen?

Zwanziger: Diese Hinweise gibt es. Ja, leider.

ZEIT: Wie begegnen Sie diesen?

Zwanziger: Ich kann Ihnen versichern, dass wir sowohl auf Bundesebene, als auch auf der Ebene der Länder mit den Sicherheitsdiensten und der Polizei eng zusammenarbeiten.

ZEIT: Gibt es, gerade bei diesem Thema, einen Schwerpunkt im Osten des Landes, zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern, wo die NPD gerade in den Landtag eingezogen ist?

Zwanziger: Das kann sich ja jeder mit den Fingern einer Hand ausrechnen. Doch auch hier lege ich Wert auf die Feststellung: Das Aufkommen von rechtsradikalen Tendenzen kann man nicht allein dem Fußball in seine Schuhe schieben. Die Hauptverantwortung für soziale und gesellschaftliche Schieflagen können und werden wir nicht übernehmen.